Sonntag, 12. Januar 2025

"Grenzen schließen" ist nicht "rechts-radikal", sondern retro-kapitalistisch und "instinktiv"

Die derzeit zu Unrecht viel beachtete Weidel (nach dem "Musk-Gespräch" nun beim "AfD-Parteitag"), Trump, Orban, Meloni, Le Pen, Kickl (Österreich) und andere fordern die jeweils "nationale" Grenz-Schließung angesichts der "Flüchtlings-Krise" - abgesehen davon, daß diese "Krise", außer in Griechenland, Spanien und Italien, überbewertet wird, ist diese Forderung nicht per se "rechts-radikal", sondern nur ein populistisches Instrumentalisieren des zu recht verbreiteten Unbehagens an den Folgen der "Globalisierung" (siehe meinen Eintrag vom 8.1.).

Der globalisierte Turbo-Kapitalismus hat schließlich nicht nur in den reichen Ländern die Gesellschaften zerstört ("There is no such thing as society" laut Thatcher) und ihre Mitglieder zu "Human Resources" degradiert und entfremdet, sondern weltweit ein bewegliches Sub-Proletariat erzeugt, das nun in globalen Strömen dem Muster der im 18. Jahrhundert früh-kapitalistisch enteigneten Klein-Bauern Englands folgt, die notgedrungen in die Arbeiter-Slums der englischen Industrie-Städte zogen, wo sie fortan unmenschlich hausten und samt ihren Kindern von den Fabrik-Besitzern unmenschlich ausgebeutet wurden*, um den gefeierten Aufstieg des plutokratischen "British Empire" zu ermöglichen - mit Verspätung übernahmen im 19. Jahrhundert dieses einträgliche Modell Frankreich und Deutschland und das übrige Europa (daher die Auswanderungs-Wellen ins "liberale" Amerika: vom Regen in die Traufe**); und inzwischen hat dieser "Manchester-Kapitalismus" dank "IWF", "WTO" & Co. die ganze Welt verseucht, sodaß viele in der "Dritten Welt" inzwischen von einer Ausbeutung in der "Ersten Welt" als kleineres Übel träumen***: die "braven" Immigranten betonen ständig, daß sie "nur Arbeit" wollen - damit sind sie bei der hiesigen "Work-Life-Balance"-Aristokratie schon genauso deklassiert, wie bei den antik-aristokratischen griechischen "Demokraten" die rechtlosen "Banausen", die von Handarbeit leben mußten, oder wie die Schwarzen, die nach der Slaven-Befreiung in den USA als elende industrielle "Reserve-Armee" in die Fabrik-Slums der Nord-Staaten abwanderten oder Straßen-Musiker wurden (die erst posthum gewürdigten Chicago-Blues-Erfinder).

Mit andern Worten: "rechts-radikal" sind nicht "national"-merkantilistische Autarkie und "Lokal-Patriotismus", sondern abstrakt kapitalistischer  Welt-"Frei"-Handels-"Rationalismus", also rein materialistischer, oder besser gesagt: fiktiv "finanzieller" Utilitarismus, denn das herrschende monetäre System ist so völlig irreal, wie "des Kaisers neue Kleider", und so sinnlos, wie die in seinem Namen profitable Rüstungs-Politik samt aller folgenden Stellvertreter-Kriege - rechts-radikal ist die Verteidigung und Aufrecht-Erhaltung dieser absurden Zustände, und die Symptom-Behandlung (Flüchtlings-Hilfe usw,) ist weder "links" noch "libertär", sondern nur hilf- und effektlose Anerkennung der spät-kapitalistischen Misere, statt Bekämpfung der Flucht-Ursachen: lokale und globale Ungerechtigkeit, sowie eben "geo-politische" und post-koloniale Stellvertreter-Kriege - seit der Völker-Wanderung verläßt niemand mehr aus purem Übermut seine Heimat mit nichts als einem Smart-Phone, einem Rucksäckchen und Plastik-Sandalen am Leib.

Die menschliche Psyche ist nach wie vor auf die Solidarität in einer überschaubaren Gruppe angelegt, und nicht auf die kapitalistisch propagierte "Befreiung" zu heimatlosen "Individuen" in entfremdeten Massen-Strukturen, ob in Fabriken, Großstädten, "Nationen" oder einem angeblichen "Global Village" - mental sind wir noch Mitglieder eines kleinen Stammes, der sich (wie fast alle "Natur"-Völker) exklusiv "Menschen" nennt und sich von den umgebenden Stämmen (den mit anderen Namen belegten "Nicht-Menschen") abgrenzt... Der "Nationalismus", obwohl selbst schon Entfremdung vom menschlichen Maßstab, ist ein letzter Rest von Abgrenzungs-Möglichkeit für Entwurzelte, da in einer aufgelösten Mikro- und Makro-Welt nur noch die mehr oder weniger zufälligen "Landes-Grenzen" eine "legale" Orientierung für "Gruppen-Solidarität" bieten, wenn schon das Wort "Heimat" als "rechts-radikal" gilt: Fremden-Feindlichkeit ist ein gesunder Ur-Instinkt, den schon Schimpansen-Horden gegen ihresgleichen haben, und der in "zivilisierter" (also Gewalt-freier) Form berechtigterweise auch die zwangsweise Zentralisierung unter einer "Nation" genauso ablehnt, wie die Zwangs-Vermischung von Kulturen im Dienst der Profit-Maximierung (siehe meinen Eintrag vom 9.1.).

Die Weigerung, sich als "ungebundenes" und "aufgeklärt multi-kulturelles" (und damit Kultur-loses) Rädchen des globalen Kapitalismus zu begreifen, wird aber von den herrschenden "Globalisierern" als auszumerzendes Relikt von "bildungs-fernen Primitivlingen" behandelt, das man entweder getrost ignorieren, bekämpfen oder "verbieten" kann (die "AfD" bietet allerdings "nationale Kultur" nur als "Tivoli" oder "Disneyland" an, um eine Revolte gegen den globalen Kapitalismus zu verhindern, wie es schon der Erfinder des Kopenhagener "Tivoli" 1843 dem dänischen König andiente: "Brot und Spiele" statt Revolution).

Noch deutlicher, als bei den global mißbrauchten "Human Resources", wird das beim Klima-Problem, das jeden gesunden Menschen-Verstand beunruhigt, das aber alle Reaktionäre von "FDP" über "CDU" bis "AfD" (und ihre internationalen Pendants) ignorieren oder einfach leugnen, um schnellen Kapital-Profit weiter zu legitimieren: das ist Rechts-Radikalismus á la argentinischem Kettensägen-Massaker.
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* siehe Engels´ berühmte Anklage: "Die Lage der arbeitenden Klasse in England" (1845) und die noch älteren Illustrationen des Proletarier-Elends von Hogarth, sowie z.B. die Romane von Zola, und T.C. Boyle: "Wassermusik" (1982)
** siehe A. de Tocqueville: "Über die amerikanische Demokratie" (1835), F. Kürnberger: "Der Amerika-Müde" (1855), K. Gröper: "Im Winter brach der Regenbogen" (1978, über Deutsche in Texas um 1850), oder T.C. Boyle´s Meisterwerk: "World´s End" (1987, über Holländer in Nieuw Amsterdam/New York)
*** vorbereitet wurde das vom britischen "Empire", das "seine" Inder als loyale, aber zweit-klassige Intelligentsia und Merchants über sein gesamtes Kolonialreich verteilte (aus dieser Kaste stammt auch Ex-Premier Sunak: von der indischen "Oberschicht" in Kenia/Tansania)

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