Montag, 4. Oktober 2010

Arbeit ist ein Verhängnis

"(...) Man muß zwischen arbeiten und tätig sein unterscheiden. Wenn die Arbeit dazu führt, daß man sich dabei selbst erfährt und seinem Leben einen Ausdruck gibt, dann ist sie nicht entfremdet und eine vernünftige Tätigkeit. Wenn die Tätigkeit dagegen trostlos und entfremdet ist, ist es auf jeden Fall Arbeit. (...)
Ich habe nie verstanden, warum sich Menschen so süchtig über Arbeit definieren wollen und ihr Dasein als sinnhaftes Mitglied der Gesellschaft nur über ihre Arbeit definieren.
(...) es ist doch allzu deutlich, daß der gesamte Arbeitsmarkt von Menschen wimmelt, die entweder eine nicht sinnvolle, nicht befriedigende oder gar selbstzerstörerische Arbeit machen, Menschen, die ihre Arbeit mit Angst und nicht mit Befreiung verbinden: Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, Angst vor Sanktionen, Angst, die Arbeit nicht zu schaffen. Ich habe die Wollust nie verstanden, die von der Arbeit ausgehen soll.
(...) Für mich ist der Philosoph Baruch de Spinoza zentral, der zu Beginn der Aufklärung das Postulat aufstellte, nie eine Arbeit zu tun, die direkt oder vermittelt anderen Schaden zufügt. (...) Heute haben viele Menschen im Konkurrenzkampf um die Arbeitsplätze eine fast hundertprozentige Ignoranz gegenüber diesem Anspruch. Jeder ist bereit, jede Arbeit zu machen - und sei sie noch so schädlich für andere, für die eigene Seele, für den gesellschaftlichen Zusammenhalt oder den eigenen Körper. In schöner kapitalistischer Selbstverständlichkeit sagt man in Amerika gern dazu: "It´s my job." Das hat für mich einen ähnlichen Klang wie das "Ich habe nur meine Arbeit gemacht" der Vollstrecker in Diktaturen.
(...) Das ist doch lange vorbei - der Glaube, daß man durch Arbeit die Möglichkeit erhält, in einem gewissen Luxus zu leben. Heute geht es doch bei den meisten darum, mit dem Gehalt einigermaßen die Wohnung und die Ernährung zu bezahlen. Oder das Bier in der Stammkneipe, in die man sich ohne einen Arbeitsplatz nicht mehr hinein traut. Es ist doch billiges Blendwerk, daß man sich durch Arbeit Wünsche erfüllen kann und sich statt mit der Freiheit mit einer Art Freizeit-Freiheit als Ersatz zu begnügen.
(...) Es muß strukturelle Änderungen geben. Schauen wir uns mal die Kohle-Kumpel an. Jeder weiß, daß deren Arbeit mörderisch und sinnlos ist. Sie zerstört die Gesundheit der Arbeiter, die Umwelt, den Planeten. Gleichzeitig ist sie nicht mal profitabel, sondern wird massiv staatlich gefördert. (...) Billiger und verantwortungsvoller wäre es, all diesen Menschen ihre Gehälter weiter zu bezahlen - unter der Bedingung, daß sie nicht mehr in die Grube fahren. Das wäre wesentlich billiger, nicht nur unmittelbar, sondern vor allem langfristig hinsichtlich der Verwüstungen, die fossile Brennstoffe anrichten. (...)
Das (Grundeinkommen für alle Menschen, also auch für die, die nicht arbeiten und keine Arbeit suchen) ist unvermeidlich, denn das Wunder, unendliches Wachstum bei endlichen Ressourcen zu erreichen, wird es nicht geben. Es wird immer offensichtlicher, daß aller technologische Fortschritt, der mit dem ideologischen Getöse der Arbeitserleichterung daherkommt, letztlich zu Mehrarbeit führt, anstatt uns von der Arbeit zu befreien. (Hier ist R. M. etwas undeutlich: technologischer Fortschritt führt letzlich zu Mehrproduktion durch Mehrarbeit weniger Qualifizierter und Prekarisierung vieler bei Gewinnabschöpfung durch die kapitalistische Oligarchie - pstebel25) Schon früh wurden Maschinen erfunden, um die Handarbeit zu ersetzen. Das hat aber schon damals weniger zur Verringerung der Arbeit geführt, sondern vor allem zur Steigerung der Produktivität. Heute versucht man, auf der Basis technologischer Innovationen und völliger Überproduktion immer wieder Tricks zu finden, um das Wachstum zu steigern, anstatt zu sagen: wir nutzen die Technologie, die Maschinen, Computer und Roboter, um uns die Arbeit abnehmen zu lassen und uns sinnvolleren Tätigkeiten zu widmen.
(...) Es gibt ja (durch das Internet) durchaus Entwicklungen und Möglichkeiten, sein Auskommen zu finden, die lange nicht denkbar ware. Andererseits ist das doch nur ein ideologischer Baldachin über einer realen Zwangssituation. Es gibt immer weniger klassische Arbeitsplätze und immer mehr Konkurrenz darum, und es gibt den enormen Druck, seine eigenen Jobs zu erfinden, ein Selbständiger oder Kreativer zu sein. Das bedeutet aber nicht, daß das sinnvollere oder nachhaltigere Dinge sind. Der Druck bedeutet vielmehr, daß man sich auf dem Arbeitsmarkt Nischen neuer entfremdeter Arbeit sucht, in denen man kaum Unterstützung findet.
(...) Es ist schon sehr destruktiv, daß viele Menschen für Geld jederzeit bereit sind, Jobs mit verheerenden Auswirkungen auf die Umwelt und die Freiheit anderer Menschen auszuüben. Für mich sind das Mittäter an den sozialen Verwüstungen.
(... Das) entspricht nicht den Freiheitsmöglichkeiten, die in der heutigen Zeit gegeben sind. Man könnte jedem Menschen garantieren, sinnhaft tätig zu werden. Und beim jetzigen Stand der Produktion und der technischen Möglichkeiten das Fortkommen aller Menschen garantieren - ohne Ausbeutung und Zerstörung. Diesen Job müssen wir erledigen."

 
Der Wiener Philosoph und Schriftsteller Robert Menasse im Gespräch mit "fluter" (Nr.36, S. 29f, Hg. Bundeszentrale für politische Bildung, 2010) - vgl. R. Menasse: Permanente Revolution der Begriffe (Suhrkamp, 2010)

Freitag, 24. September 2010

Entwurf für ein Freiheits-Denkmal

Einigkeit durch Recht und Freiheit statt „nationales Freiheits- und Einheits-Denkmal“

Was heißt hier „nationales Freiheits- und Einheits-Denkmal“?
Allein die Aufgabe ist schon falsch gestellt: „Freiheit“ und „Einheit“ sind zwei völlig unzusammenhängende Begriffe: daher die mal banalen (sozusagen völlig „bananen“), mal bemüht symbolischen Entwürfe für den ersten Denkmals-Wettbewerb, die folgerichtig alle abgelehnt wurden.
Und das Wort „national“ ist eine Schimäre aus dem 19. Jahrhundert, wie alles beweist, was sich mit diesem Beiwort betitelt.
Wenn man sich die fatalerweise von der historischen Komponente "befreite" und ansonsten unveränderte Aufgabe und die herrschende Denkmalskultur ansieht, ist vom zweiten Wettbewerb wohl ein Aufguß des ersten zu erwarten: wieder „richtige“ Antworten auf die falsche Frage - wenn nicht mit eleganteren Abstraktionen, dann zumindest wohl mit eloquenteren Namen aus der internationalen (na also!) Designer-Elite signiert.

(Nachtrag 3.10.2010: Ich komme soeben von der offiziellen Verkündung des Wettbewerbsergebnisses, zu der ich als Teinehmer der ersten Wettbewerbsstufe geladen war, und wo ich auf  Staatskosten eine Brezel und ein Glas Wein erhalten habe
Es ist, wie ich es vorausgesehen habe: dieselben mal banalen, mal bemüht symbolistischen Entwürfe wie zuvor, nur teurer dargestellt... Ein großer Teil des erlesenen Publikums war zynisch belustigt, genervt oder ratlos, aber Kulturstaatsminister Neumann und seine Chargen mußten diesmal die eingereichten Arbeiten, und erst recht die halbherzig benannten drei gleichberechtigten "Sieger", die vor einer echten Entscheidung noch "überarbeiten" müssen, schön- und wichtig-reden, um nicht eine erneute Blamage eingestehen zu müssen: nach dem allgemeinen nun auch ein "professionelles" Versagen vor dem Thema... So gesehen ist der primitivistische "Kniefall" eines prototypischen Deutschen noch der überzeugendste Entwurf, auch wenn dieser Kniefall eher in den Köpfen, als in Form eines "nationalen" Denkmals stattfinden sollte...)

Was heißt schon „Einheit“?
Soll man glauben, daß sich die „deutschen“, also dialektverwandten „Stämme“ (und etwa auch die unterworfenen oder angeheirateten nichtverwandten „Stämme“?) irgendwann als „ein Volk“ gefühlt haben, oder daß das gemeine Volk sich überhaupt jemals darum geschert hat, wie groß die abgabenpflichtigen Territorien ihrer jeweiligen Herrscher oder Regierungen waren?
Die Fürsten, die um Lehen und Kronen gestritten und „Reichs“-Ideen erfunden haben, waren eine europaweit inzüchtige Kaste ohne „Stammes“-Bindung: im 16. Jahrhundert z.B. gewann der „österreichische“ König von Spanien aus den „spanischen“ Nieder-landen im Bestechungs- Wettbewerb gegen den König von Frankreich, der das „deutsche“ Herzogtum Mailand erobert hatte, die „deutsche“ Krone als „Kaiser Karl V.“ - genau wie heute inzüchtige und korrupte transnationale Konzerne und Investoren um „nationale“ Standortvorteile und Märkte streiten und ein Manager des „Internationalen Währungs-Fonds“ Bundespräsident werden kann.
Die beiden „deutschen“ Staaten von 1949 und der eine von 1989/90 sind nichts anderes, als das Ergebnis von tausend Jahren lehnsrechtlicher, dynastischer, oligarchischer, militärischer, nationalistischer, diplomatischer, merkantilisti-scher, imperialistischer (nicht zu vergessen faschistischer) und kapitalistischer „Politik“ von den Ottonen bis hin zur „Treuhandanstalt“.
Soll man glauben, daß eine staatliche „Einheit“ qualitativ besser ist, je größer sie ist? Immerhin haben die Sowjetunion und Jugoslawien die despotischen, fundamenta-listischen und rassistischen Tendenzen eingedämmt, die heutzutage in den meisten ihrer selbständigen Teilstaaten grassieren, und zu mehr „Freiheit“ hat in Europa zuletzt der napoleonische Imperialismus geführt: eben gegen dessen Einführung bürgerlicher Freiheiten haben die alten Despoten ihre als „patriotisch“ verbrämten sogenannten „Befreiungskriege“ geführt, und erst seit kurzem sind wir wenigstens wieder auf dem Stand des „Code Civil“ angelangt – die nach 1815 in „Deutschland“ restaurierteallseits verrufene „Kleinstaaterei“ war für das gemeine Volk trotzdem nicht schlimmer, als das „geeinte Reich“ von „Blut-und-Eisen-Kanzler“ und Badewannen-Kapitän Wilhelm II., das mit seinem Untertanengeist direkt in den ersten Weltkrieg und weiter zum „Bluthund“ Noske und in den zweiten Weltkrieg geführt hat.
Die Verschiebung politischer Grenzen und neue oder „historische“ politische „Einheiten“ spielen also offenbar in Bezug auf „Freiheit“ keine Rolle, ob sie nun durch Vereinigung, wie in Deutschland, oder durch Teilung, wie der Sowjetunion usw., zustandegekommen sind: das Problem ist weder ein Mangel an „Einheit“, noch an („völkisch“-)„nationaler Souveränität“, sondern ein Mangel an Demokratie und Gerech-tigkeit, bzw. an Demokratie- und Gerechtigkeits-Bewußtsein – auch wenn es 1989 tatsächlich einen kurzen hoffnungsvollen Moment gab, als brave Bürger in der DDR auf den Straßen „Wir-sind-DAS-Volk“-Schilder hochhielten und noch nicht von der „Freiheit“ in Form von „dem Namen nach unbekannten Eßwaren“ (wie Vera Lengsfeld von der Ost-CDU schwärmt: meint sie den Anschluß an eine „Bananen“-Republik?) und Billigflügen benebelt waren und „Wir-sind-EIN-Volk“ skandierten.
Der einzige andere hoffnungsvolle Moment seither, der ost-west-vereinte „Erfurter Aufruf: Eigentum verpflichtet!“ (1997), kam über die untertänige und vergebliche Forderung nach Rückkehr zu den nur recht-und-billigen Errungenschaften der vor-neoliberalen „sozialen Marktwirtschaft“ nicht hinaus - oder wenigstens zurück zu den „Segnungen“ des „freiwillig gütigen“ Kapitalismus á la Krupp vor hundertzwanzig Jahren (von denen z.B. der TV-Philosoph Sloterdijk deliriert), als wäre nicht gerade das Problem, daß der Kapitalismus zu seinen Methoden aus dem 19. Jahrhundert zurückkehrt und sich, mit UN-Menschenrechtsrat Jean Ziegler gesagt, „refeudalisiert“.
Der Anschluß der „Neuen Bundesländer“ wird offenbar in erster Linie als verspäteter Sieg über den „Bolschewismus“ betrachtet und wiederaufgewärmte „Totalitarismus-Debatten“ zur endgültigen Reinwaschung von der Nazi-Vergangenheit benutzt. Die sogenannte „friedliche Revolution“ soll die letzte und das „Ende der Utopien“ sein, sodaß die SPD und die Grünen linken Ballast abwerfen und mit den rechten Parteien zusammen „Deutschland“ (ohne „Bundesrepublik“) als endlich wieder voll kriegsfähiges Mitglied der „Neuen Weltordnung“ etablieren können: das scheint das Hauptergebnis der „deutschen Einheit“ von 1989/90 zu sein – das Ergebnis ist jedenfalls weder „erreichte Freiheit“, noch das „Ende der Geschichte“, und die „Einheits“-Euphorie ist eher Opium als Brot für das Volk, und ein Denkmal dafür deshalb auch nur untertänige Mitspielerei.
Angesichts der Belanglosigkeit von politischen Grenzen bleibt also nur die Frage nach Qualität statt Quantität, also der Begriff der „Freiheit“ - bestenfalls der von „Einigkeit durch Recht und Freiheit“, auch wenn es im Original treffender „Brüderlichkeit, Gleichheit, Freiheit“ heißt.

Was heißt „Freiheit“?
„Freiheit“ ist ein Ideal, dem man sich durch ständigen Kampf um Befreiung nur annähern kann, nämlich durch Bekämpfung von bestehender Unfreiheit.
Jeder wird heute zugeben, daß der Kampf gegen feudale und religiöse Despotie, gegen Sklaverei, Leibeigenschaft, Ständegesellschaft und Ausbeutung, gegen Militarismus, Imperialismus und Faschismus, gegen Frauenunterdrückung, Rassismus und Chauvinismus im Lauf der Geschichte immer einen kleinen Fortschritt gebracht hat, auch wenn die reaktionäre Unterdrückung des Kampfes um Befreiung mithilfe von staatlichen „Ordnungskräften“ und Söldnern schon immer überwiegend erfolgreich war, sodaß es natürlich immer noch Ungleichheit, Ungerechtigkeit, Unterdrückung, Ausbeutung – allgemein: Unfreiheit gibt.
Falls es in den vergangenen Jahrtausenden (oder wenigstens Jahrhunderten) abgesehen von Waschmaschine und Kühlschrank einen Fortschritt gegeben haben soll, kann er folglich nur in einer Lockerung des Herrschafts- und Ausbeutungssystems und in einer allmählichen Zunahme von Freiheit bestehen: also „Freiheit durch Recht und Einigkeit“, deutlicher gesagt eben durch Gleichheit und Brüderlichkeit – die Werte, die seit den 80er- und 90er-Jahren eher wieder zerbröseln...
Dabei wäre es sowieso unsinnig, zu irgendeinem Zeitpunkt vom „Ende der Geschichte“ zu reden, wie es heute im Gefolge frühkapitalistischer Philosophen wieder heißt - also davon, daß das Herrschafts- und Ausbeutungssystem nun erträglich „genug“ sei und die Menschen „ausreichende“ Gerechtigkeit und Freiheit zugebilligt bekämen, um sich einerseits nicht gegenseitig frei nach mißverstandenem Darwin zu meucheln (sondern nur auf höherer, „dienstlich“ legitimierter Ebene), und doch „einigermaßen“ ihren Spaß zu haben: „Nenne sie Menschen, Soldaten oder Maschinen, solange sie nur glücklich sind“, fand Jeremy Bentham (1748-1832) – an diesem Irrtum ist schon der „real existierende Sozialismus“, wie geplant dem Kapitalismus immer einen Schritt voraus, gescheitert.
Freiheit wird eben nicht von den Herrschenden gewährt, sondern von den Beherrschten erkämpft, und eine Idee von Freiheit gibt es nur in überschaubaren basisdemokra-tischen Gemeinschaften, die weder von nationalistischen, noch von religiösen, elitären, monetären, martialischen oder sonstigen Fundamentalismen besessen sind, noch das ewige Mantra von den geheiligten „freien Wahlen“ nach dem Vorbild europäischer und nordamerikanischer „repräsentativer Demokratien“ nachbeten, das zur Abwesenheit von Politik im klassischen und idealistischen Sinn, also der Abwesenheit von Demokratie geführt hat.
Wie man aber sieht, sind die großen anti-freiheitlichen Vereinheitlicher von Karl (I.) über Otto I., Karl V., Luther, Friedrich II., Metternich, Bismarck, Ebert, Adenauer und Ulbricht bis hin zu Kohl-Schröder (ganz zu schweigen von Hitler, oder jedenfalls seinen Mittätern) immer noch die „Großen“ unserer Geschichtsbücher, während die Kämpfer für Gerechtigkeit und Freiheit, von Hus über Müntzer, Börne, Büchner, Heine, Marx, Engels, Stirner, Liebknecht, Luxemburg, Mühsam, Landauer usw., bis zu Bahro und Dutschke, komischerweise immer noch (und in der ehemaligen DDR wieder) mit eingefleischtem preußischem Untertanengeist schaudernd als „Aufrührer“ und geradezu „Kriminelle“ betrachtet werden: da die „Eliten“ die Nutznießer der allgemeinen Unfreiheit sind, also diejenigen, die das herrschende System, den Staat, seine Gesetze und sein Gewaltmonopol für sich reklamieren und als Sieger die „Geschichte“ schreiben, sind die fortschrittlichen Kräfte immer im „Unrecht“ und hat jeder Befreiungsversuch den Ruch des „Gesetzlosen“, dem „zu Recht“ Bestrafung droht.
Seit der Totenstille nach den blutig niedergeschlagen „Bauernkriegen“ (1525), durch den geradezu kongolesischen Terror des 30-jährigen und aller folgenden Kriege, sowie durch die seit 300 Jahren zunehmende Rationalisierung und Militarisierung der Arbeit und ihrer Resevearmeen, durch die unterdrückten Revolutionen des 19. und 20. Jahrhunderts, und erst recht durch den Faschismus, scheint für die Mehrheit vor dem gesellschaftlichen Fortschritt die „Ruhe als erste Bürgerpflicht“ zu kommen: zu diesem „Prozeß der Zivilisation“ gehört auch der scheinheilige Lobgesang der ungestört ihre Geschäfte treibenden „Eliten“ auf die sogenannte „friedliche Revolution“ des Volkes gegen die „Diktatur“.
Die meisten wirklichen Freiheitskämpfer sind gemäß der herrschenden Propaganda und dem entsprechenden „Volksempfinden“ als „vaterlandslose Gesellen“ von jeher verfolgt, vertrieben, eingesperrt, hingerichtet oder ermordet worden. Viele sind noch dazu jüdischer oder ausländischer Herkunft oder im Exil gewesen, was die Fragwürdigkeit eines „nationalen“ Denkmals unterstreicht und den geistig-moralischen Verlust „Deutschlands“ (und entsprechend der überfallenen Länder) durch die Ermordung oder Vertreibung der gesamten jüdischen kritischen Intellektuellen durch die Faschisten deutlich macht - die nach wie vor in Europa einmalige „deutsche“ Freiheits-(und Linken-)Phobie verweist eindeutig auf die Langzeitfolgen von zwölf Jahren nazistischer Propaganda gegen den sogenannten „jüdischen Bolschewismus“: Antifaschismus, ob jüdisch, kommunistisch oder liberal, wird durch den Endsieg über die DDR zur „Nestbeschmutzerei“, statt zur Grundvoraussetzung einer auch nur ansatzweise freiheitlichen Gesellschaftsordnung.
Umso notwendiger ist die Rehabilitierung der unterdrückten und ermordeten Freiheitskämpfer, der einzigen, auf die „dieses Land“ stolz sein kann und an deren Tradition sich anzuknüpfen lohnt – daß sich schon die DDR propagandistisch in dieser Tradition sehen wollte, kann ja wohl kein Hinderungsgrund sein, wenn das Gerede von „Freiheit“ ernst gemeint sein soll.
Weder die selbstgerechten Fürsten (oder Ex-Fürsten) und „Staatsmänner“ (oder „-männinnen“), noch die bedeutenden Wissenschaftler und Erfinder oder die geifernden religiösen „Wohltäter der Menschheit“, weder die großen Komponisten, Dichter, Künstler und Baumeister, noch die Film-, Musik- und Sport-Idole, geschweigedenn die reichen Unternehmer-Dynastien und ihre Aufsichtsräte, Prokuristen, Berater und Bankiers gehören allerdings in die Reihe der Befreiungskämpfer (wenige Ausnahmen, mehr aus dem Ausland, bestätigen die Regel): es sind Scharen von Unbekannten und ihre Vorkämpfer.

Was heißt Denkmal?
Was von der Denkmals-Idee als Aufgabe demzufolge übrig bleibt, nämlich die Darstellung der Entwicklung hin zu Gerechtigkeit und Freiheit als dauernden Prozeß und Kampf, also als „permanente Revolution“ im Sinn des späten Trotzki, kann man nicht mit abstrakten Symbolismen, wie „Ring der Einigkeit“, „Blitz der Freiheit“, „Kuben der Gleichheit“, „Kinder der Demokratie“ oder „Tanz der Gerechten“ abhandeln, die sowohl das Ideal banalisieren (geradezu „bananisieren“), als auch dessen bereits erfolgte Verwirklichung suggerieren.
Da die Freiheitskämpfe in der herrschenden Geschichtsschreibung verharmlost, krimina-lisiert oder totgeschwiegen werden, ist eine Darstellung der erfolgreichen, wie der niedergeschlagenen Kämpfe notwendig, sowie des Schicksals ihrer Vorkämpfer, stell-vertretend für die vielen Unbekannten - die Beschränkung auf „deutsche“ Freiheits-kämpfer ist zwar künstlich, aber immerhin auch ein Schlag in die reaktionäre Fresse: es gab zum Glück eben nicht nur die Mitläufer von 1870, 1914, 1933 und 1989/90, sondern auch Freiheitskämpfer in Deutschland.
Die aufsteigende Spirale des Denkmals zeigt einerseits den, wenn auch langsamen, ethischen Fortschritt in der Geschichte, andererseits bestreitet sie die angebliche „Geradlinigkeit“ der Geschichte ebenso, wie das „Ende der Geschichte“: der unfertige Abschluß ermöglicht, bzw. erfordert den Weiterbau – man könnte auch an den weiter-wachsenden Sproß eines Keimes denken, und bei den zufällig elf Metern Durchmesser des „Keimes“ an Egalité, Liberté und Fraternité - „Freiheit“ ist eben kein „nationales“ Thema.
Das Hauptthema des Denkmals ist nicht das Jammertal oder der Märtyrertod der auf der Außenseite der Spirale portraitierten Vorkämpfer, sondern deren Idealismus und Streben nach Freiheit, gekrönt von Reliefs der unbekannten Vielen, die die Träger und Opfer der Kämpfe waren.
Zur Relativierung der „Reichs-“ und „Einheits-Idee“ befindet sich auf der Innenseite der Spirale eine Abfolge historischer Landkarten von „Deutschland“ vom ottonischen „Reich“ bis heute, samt Erläuterung der Schimären von „Reichs-“, „Nations-“ und „Staats-Ideen“.
Darunter buchten sich aus der Wand Sitzbänke aus, die kleine Amphitheater bilden, in denen über Demokratie und Zivilcourage diskutiert werden kann.
Im „Keim“, dem Kern der Spirale, gibt es natürlich den üblichen Informations-, Souvenir- und Veranstaltungs-Pavillon.
Die sogenannte „Schloßfreiheit“ am Berliner Kupfergraben ist nicht mal der schlechteste Standort für ein Freiheitsdenkmal: es gilt allgemein, die Weihestätten des Feudalismus und des Imperialismus umzuwidmen – alle Herrscherdenkmäler, Reiter-standbilder und ähnliches gehören in ein unterirdisches Gruselkabinett der Geschichte, und Denkmäler wie der St.Georg im Nikolai-Viertel oder der Neptun-Brunnen brauchen unbedingt eine neue Legende.
Da der gleichermaßen alberne wie verbrecherische „Kartätschen-Prinz“ und spätere Kaiser Wilhelm I. glücklicherweise schon vom Sockel gestürzt ist, muß nur noch das neobarocke Huldigungs-Treppchen auf der „Schloßfreiheit“ entfernt werden, um das Feld für ein Freiheitsdenkmal zu bereiten – und vielleicht scheitert die Hohenzollern-treue Rekonstruktion des düsteren Schloß- Kastens im Hintergrund ja gerechterweise doch noch mangels Untertanengeist, oder wenigstens aus Kostengründen...

Freiheitsdenkmal-Modell (1:100) von Dipl.Ing.Arch. P. Stebel
- mehr Modell-Fotos auf Anfrage von: PSTEBEL25@GMAIL.COM -

Donnerstag, 23. September 2010

Arbeit lohnt sich nicht mehr

Laut Sarrazin (der, abgesehen von seinen Nebeneinkünften, mit 1000 € Rentenerhöhung - wie hoch ist wohl die ursprüngliche Rente? - in den vorzeitigen Ruhestand befördert wurde) kann sich ein Mensch, der keine bezahlte Arbeit findet, für 2,50 € pro Tag mit ausreichenden Kalorien versorgen... Darüber hinausgehende Ansprüche von aussortierten überflüssigen Teilen der Bevölkerung sind "spätrömische Dekadenz", laut Westerwelle, der die Homosexuellen-Emanzipierung als Beteiligung seines Lebensgefährten an der in seinen (eben den besseren) Kreisen üblichen Vettern- und Spesenwirtschaft praktiziert...
Wenn die ALG-II(Haaz4)-Sätze an die "Lohnentwicklung" gekoppelt werden sollen, schreit die "Springer"-Presse auf, daß sich "Arbeit nicht mehr lohnt" und zitiert brave Proleten, die schimpfen: "Da kann ich ja auch besser Stütze kassieren und faulenzen!"
Stimmt genau: und zwar nicht, weil Stütze-Empfänger in Saus und Braus leben, sondern weil immer mehr Leute für einen Hungerlohn arbeiten müssen - nicht nur Supermarkt-Kassierer, Friseure und Floristen (um nur die bekanntesten Beispiele ohne Mindestlohn zu nennen), sondern auch "freie Mitarbeiter" in Architekturbüros, Anwalts- und Steuerberaterkanzleien und in anderen Dienstleistungs-, "Kreativ"- und Handwerks-Branchen.
Im September 2010 vermittelte die VW-Konzern-eigene Zeitarbeitsfirma "Autovision", die mit den an VW angelehnten Tariflöhnen wirbt, 30 Stellen bei der Berliner Bundesdruckerei in Vollzeit und 3-Schicht-Dienst für 800 € netto/Monat: wenn man kein "Single" mit jahrelanger Gewöhnung an ein Leben unterhalb der Armutsgrenze ist,
bleibt man dabei auf "Transferleisungen" und Schikanen des Arbeitsamts angewiesen - letztlich Zwangsarbeit für das Existenzminimum: was soll da das Gerede über "Menschenrechtsverletzungen in China", oder über "diktatorische Maßnahmen der kubanischen bzw. der DDR-Mangelwirtschaft"? Man kann es mit UN-Menschenrechtskommissar Jean Ziegler "Refeudalisierung", oder mit Colin Crouch "Postdemokratie" nennen - letzlich ist es so präfaschistoid, wie Roosevelt´s "New Deal" in den 30er-Jahren...
Z.B. sind in Dänemark immer noch, trotz aller neoliberaler Rückschritte, die Löhne und die Lohnnebenkosten höher, die Arbeitslosigkeit ist niedriger, das Bruttosozialprodukt höher, die Verschuldung niedriger - wenn man in der kapitalistischen Logik bleiben will.
Wenn man nicht in der kapitalistischen Logik bleiben will, ist das "System" sowieso scheißegal: sofern es nicht den Menschen dient, gehört es abgeschafft!

Donnerstag, 9. September 2010

Scheiß auf Effisiens und Eckselens

Geiz ist nicht geil, sondern bei Reichen anal und bei Armen erzwungen.
Neid ist nicht natürlich (siehe P. Kropotkin: "Solidarität im Tier- und Menschenreich"), sondern bei Reichen sozialdarwinistisch (armer Darwin!) und bei Armen (sofern gegen die Reichen) revolutionär.
Klauen ist bei Reichen (in Form von Vetternwirschaft, Bestechung, Ämterschacher, Spesenrechnungen, "Berater"-Honoraren, Kartellabsprachen, Steuerhinterziehung usw.) ein Kapitalverbrechen, bei Armen (in Form von proletarischem Einkauf, Krankfeiern, Schwarzarbeit - und das war´s schon) eine antikapitalistische Aktion.
Solidarität ist bei Reichen eine mafiose Verschwörung, bei Armen ein natürliches Hilfsmittel.
Die Reichen sehen ihre "elitäre" Rolle nicht nur durch geburtenschwache Jahrgänge und "Überfremdung" durch "minderwertige" Völker, sondern auch durch ihre eigene nachfolgende "Party-Generation" gefährdet: daher das alte Arbeitsfront-Ethos der "Effizienz": wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen, und wer "auf Steuerzahlers Kosten" ißt, soll auch umsonst arbeiten..., und das alte NS-Kader-Schulen-Ethos: nur "Exzellenz" hat eine Chance - "don´t dance, be happy", wie jeder faschistische U.S.-TV-Prediger seinen aufklärungsresistenten Hinterwäldlern einbleut...
Aber wer nicht depressiv den Heldentod für´s "Vaterland" ersehnt, der scheißt auf "Effizienz", die andern die Taschen füllt, und erst recht auf unerreichbare "Exzellenz", die trotz Villa mit "Pool" direkt in die Hölle führt, wenn man der Bibel glaubt, und angesichts des heutigen "Bildungs"-Niveaus (keine Hautcreme!) keineswegs zur Arroganz berechtigt, wie man an unseren derzeitigen Gallionsfiguren sieht... Oder möchte etwa jemand, außer wegen der "Vergütung", freiwillig trainieren, so wichtig nichtssagend, ewig geschäftsfördernd grinsend und systemkonform hirngewaschen zu werden? - Offenbar ja, und das läßt vernünftige Menschen an den einsamen Heldentod für ihre Ideale denken - wenn er weniger einsam sein soll, gibt es doch bessere Ideen, als ein paar Basar-Händler, Taxifahrer und Passanten mit in die Luft zu jagen (siehe z.B. E. Callenbach: "Ein Weg nach Ökotopia")...

Sonntag, 9. Mai 2010

Neue bürgerliche Revolution erforderlich!

Falls sich nicht langsam doch mal die große Mehrheit klammheimlich aus dem globalen kapitalistischen Verwertungsprozeß verabschiedet, um endlich anständig zu leben und was Vernünftiges zu machen (lest "bolo bolo" von p.m.), ist jedenfalls erstmal eine neue bürgerliche Revolution erforderlich, weil der real-existierende Kapitalismus mittlerweile nicht nur zum pauperisierenden Raubtier-Frühkapitalismus des 19. Jahrhunderts zurückkehrt, sondern zum Kapital-Feudalismus des 18. Jahrhunderts (lest "Das Imperium der Schande" von Jean Ziegler, der die fatalen Folgen der weltweiten Privatisierung von Rohstoffen, Grund und Boden, daseinssichernden Gütern und Dienstleistungen und sogar "Genen" durch profitorientierte transnationale Unternehmen als "Refeudalisierung der Gesellschaft" beschreibt).
Die berühmte Zusatzerklärung zur amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 ("All men are created equal..." usw.) war schließlich von Sklavenhaltern verfaßt worden und ist bis heute nicht verwirklicht, und die nette Erklärung der Menschenrechte anläßlich der französischen Revolution von 1789 ist in deren Verwirrungen und der anschließenden Restauration auch verschüttgegangen - obwohl Napoleon noch besser war, als Metternich: die sogenannten "Befreiungskriege" haben nur die reaktionäre "Elite", degeneriertes Pack, von ihrer überfälligen Abschaffung befreit, und sonst niemanden.
Wenn es zuviel verlangt ist, die primitivsten Basis-Erkenntnisse der sogenannten Aufklärung vorauszusetzen und gleich zum Eigentlichen überzugehen, dann macht doch bitte nach der "Tagesschau" schnell noch mal eine ganz normale Revolution für die olle Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit, und zwar diesmal ernsthaft.
Sagt mir Bescheid, wenn Ihr fertig seid: ich komm dann auch rüber, und wir machen weiter, versprochen!

Freitag, 9. Oktober 2009

Und ich sag es immer wieder:

Erst mal entspannen!
Lest keine Tageszeitungen, schon garnicht morgens, wenn Ihr den Tag gutgelaunt beginnen wollt, und hört oder guckt überhaupt keine "Nachrichten" - wenn doch, dann glaubt nichts davon (falls es überhaupt um "Tatsachen" geht, und nicht bloß um die "Meinung" einer Pappnase) und nehmt es erst recht nicht ernst: falls was Wahres daran ist, betrifft es Euch und Euer Leben sowieso nicht (abgesehen von den üblichen finanziellen "Kürzungen", gegen die Ihr erstmal eh nix machen könnt - Ihr wißt schon: wenn Wahlen was verändern würden, wären sie verboten).
Wenn ihr niemanden zum quatschen oder gemütlich anschweigen habt, lest lieber "Die Geschichte der Genußmittel" von W. Schivelbusch, "Liebeszauber" von L. Erdrich oder "Der Segen der Erde" von K. Hamsun.

Mehr Ergebnis durch weniger Arbeit!
Laßt Euch nicht einreden, daß es ein Verbrechen sei, vor dem gemütlichen Morgenschiß zur Arbeit oder sonstigen "Verpflichtungen" zu erscheinen - wer vor Mitternacht ins Bett geht, ist sowieso ein Zwangs-Charakter und hat noch nicht zuende gedacht. Der übliche kapitalistische Stundenplan ist dem militärischen Drill entlehnt und soll nur Euren Widerstandswillen durch lähmenden unausgeschlafenen und stuhlverhaltenden Widerwillen ersetzen, egal, ob Ihr dabei produktiv seid oder noch halb döst - Ihr werdet sowieso bald durch Kulis in Billiglohnländern ersetzt, denen der Hungerlohn gekürzt wird, wenn sie schläfrig aussehen.
Falls Ihr aus unerfindlichen Gründen ohne "Chef" und "Staat" nicht befriedigend über die Runden kommt, verlangt täglich, nach Eurem eigenen Biorythmus zu arbeiten: erstens seid Ihr dann zufriedener und, wie auch immer, produktiver, zweitens wurden die Maschinen nicht erfunden, damit die Menschen sich nach ihnen richten, und drittens arbeitet Ihr zum größten Teil sowieso für eine überflüssige Konsum- oder sogar schädliche Rüstungsproduktion, oder für deren Verwaltung, "Reproduktion" oder Vermarktung mit dem Ziel, daß die Konkurrenz pleite geht - was soll daran so wichtig sein? Wenn´s klappt, macht sowieso jemand anders den Reibach, und Ihr werdet entlassen oder müßt für weniger Geld mehr arbeiten.
Überlegt besser, was Euch Spaß machen würde - aber Vorsicht vor "Selbstausbeutung" aus lauter Begeisterung: es gibt sowieso schon zu viele geschnitzte Brotkörbchen, Computer-Grafiken, Designer-Klamotten, Überlebens- und Bewerbungs-Trainings, Wein-Importe und moderne Romane.
Arbeitet weniger, langsamer, vielfältiger und besser, und lest einstweilen in der Mittagspause den "Wegweiser für die intelligente Frau zum Sozialismus und Kapitalismus" von G. B. Shaw und "Das Schwein und der Wolkenkratzer" von M. d´Eramo.

Alle Schweine sind gleich!
Laßt Euch nicht von Technokraten, Bürokraten und Geld-Aristokraten beeindrucken und schikanieren, die vielleicht sogar jünger sind, als Ihr - die sind nicht besser oder schlauer als ihr, bloß weil sie 10 mal soviel verdienen: sie haben ihre Arroganz nur geerbt oder trainiert. Überall wird gelassener und "erfolgreicher", wenn´s denn sein soll, gearbeitet, sobald der "Chef" krank oder im Urlaub ist.
Wenn jeder arbeiten kann, was und wie es ihm Spaß macht, werden endlich Kranken- und Altenpflege und Müllabfuhr die höchstbezahlten Arbeiten sein, und nicht mehr globales "Monopoly"-Spielen, Fußballspielen, Schauspielen und Spielregeln-Hintergehen.
Außerdem wird es weniger Kranke und abgenutzte Alte geben, und weniger Müll, wenn nicht mehr dafür gearbeitet wird, daß es den Konzernen und der Investitions-Abschreibung nützt, sondern dafür, daß es den Menschen gut geht.
Lest "Leben ohne Chef und Staat" von H. Stowasser und (endlich mal auf deutsch) "Die Farm der Tiere" von G. Orwell - stellt Euch vor, irgendwelche Papiertiger und Mafiosi "globalisieren", und keiner geht hin.

Klein ist schön!
Überlegt mal, was Euch wirklich wichtig ist: vermutlich Eure Zweierbeziehung und die Kinder, sofern es sie gibt, dann Eure Kumpels und Eure Stammkneipe, Eure Wohnung und Eure Hobbies, Eure Freizeit und Euer Vergnügen.
Wollt Ihr wirklich den größten Teil Eurer Zeit als Rädchen der großen Maschine irgendwas tun, was mit Euch null und nichts zu tun hat und Euch nichts nützt, außer daß Ihr für den Lohn mehr Fernsehprogramme, ein neueres Auto auf Raten, ein noch interaktiveres Telefon und einen billigen Pauschalurlaub in einem unterentwickelten Land kaufen könnt?
Wieso habt Ihr trotzdem nie genug Geld? Weil Ihr nicht für Euch selbst arbeitet, sondern für irgendwelche Anteilseigner und Kreditgeber der Konzerne.
Warum könnt Ihr Euch nicht alles leisten, was Ihr wollt? Weil nicht hergestellt und verteilt wird, was gebraucht wird, sondern was sich "rentiert", also Zinsen abwirft - es gibt ja auch genug Reis und Getreide, und trotzdem läßt man Millionen Leute verhungern, um erstmal Kurs-Spekulationen zu betreiben und Wettgewinne einzustreichen.
Lest "Nachrichten von Nirgendwo" von W. Morris und "Neue Arbeit, Neue Kultur" von F. Bergmann, und nehmt Eure Angelegenheiten selbst in die Hände.

Geld ist eine Waffe - Abrüsten!
Daß das Geld das Grundübel ist, wißt Ihr nicht erst seit G. B. Shaw´s "Wegweiser". Diese Binsenweisheit zeigt sich am besten daran, daß die größten und "besten" Geschäfte auf der Welt mit Waffen- und Drogenhandel gemacht werden.
Waffen sind sündhaft und sinnlos teuer und werden in zig leicht erzeugten "Krisengebieten" auf der Welt ständig "verbraucht" oder "veralten" schnell - gekauft werden sie in einer Tour, koste es, was es wolle, mit Steuer- und Schwarzgeldern zu 97,8% für Staatsarmeen, Geheimdienste und deren Todes-Schwadrone.
Drogen werden billig produziert und dank "Illegalisierung" tausend mal teurer verkauft - die Süchtigen müssen sie trotzdem kaufen, und der Profit ist natürlich schwarz und wandert in die "Steueroasen" - und zu den Waffenproduzenten.
Dieser Kreislauf ist so überflüssig, wie ein Kropf, und existiert nur, weil er perfekter in die kapitalistisch- imperialistische Geldmaschine paßt, als jeder andere profane "Handel".
Entweder, Ihr macht in Eurem bescheidenen Rahmen bei dieser Schweinerei mit, oder Ihr lest "Die Globalisierungsfalle" von H.-P. Martin und H. Schumann, die "Verschwörungen, Verschwörungstheorien und Geheimnisse des 11.9." von M. Bröckers, sowie "Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld" von S. Gesell - und zieht Eure Schlußfolgerungen daraus.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Kein Mensch braucht die protestantische Arbeitsmoral!

"Die Vorstellung, daß der `Job´ die Antwort auf alle Sorgen ist, individuelle oder soziale, ist eines der bösartigsten Märchen der heutigen Gesellschaft. Es wird von Politikern, Eltern, Industriellen und Zeitungsmoralisten auf der politisch Linken und Rechten verbreitet: das Paradies, sagen sie, ist die `Vollbeschäftigung´.
Aber es klafft eine breite Lücke zwischen den Erwartungen hinsichtlich des Jobs und seiner Wirklichkeit. Wenn wir in die normale Arbeitswelt eintreten, entsetzen uns sehr bald die Erniedrigungen, denen wir ausgesetzt sind. Um unser streng geregeltes Arbeitsleben zu verteidigen, heißt es: `Oh, aber die Leute haben Spaß an der Arbeit wegen des menschlichen Miteinanders.´ Nein, die Leute haben Spaß am menschlichen Miteinander trotz der miesen Bedingungen. Nimmt denn irgendjemand allen Ernstes an, jedes menschliche Miteinander würde aufhören, wenn wir ohne Job wären? Und über Spaß bei der Arbeit wird sowieso oft die Stirn gerunzelt.
Vor dem Aufkommen von Dampfmaschinen und Fabriken in der Mitte des 18. Jh.s war Arbeit eine viel willkürlichere und weniger strukturierte Angelegenheit. Die Menschen arbeiteten soviel wie sie mußten, und nicht mehr. Zeit war nicht Geld, wie Benjamin Franklin später behaupten sollte. Arbeit und Leben waren ineinander verflochten.
Doch diese chaotische Haltung störte zeitgenössische Moralisten, die glaubten, die Menschen müßten auf Trab gebracht werden, damit sie keine Dummheiten machten.
Die Industrielle Revolution war vor allem ein Kampf zwischen harter Arbeit und Faulheit, und die harte Arbeit hat gesiegt. Maschinen raubten den Herstellungsprozeß aus Händen und Köpfen. Mit andern Worten: der Job wurde erfunden, um für die oben alles einfacher zu machen. Den Leuten wurde die Unabhängigkeit genommen, um dem erhabenen Traum eines gesellschaftlich aufstrebenden Fabrikbesitzers dienlich zu sein, der an harte Arbeit glaubte - an die anderer Leute.
Entscheidend war, daß das neue freudlose Kredo der Methodisten den werktätigen Armen gepredigt wurde. In der Kirche wurde ihnen der Gedanke eingebläut, daß sie sündig waren, daß jeder Spaß ein Fehler ist und daß stilles Dulden der Weg zum Heil auf dieser Erde ist. `Brecht ihren Willen beizeiten´, schrieb J. Wesley, der Begründer des Methodismus, `laßt einem Kind ab dem Alter von einem Jahr die Lehre zuteil werden, daß es die Rute zu fürchten und leise zu weinen hat...´
Eine gute Ersatzwaffe, falls Gottesfurcht nicht hinreichte, um die bäuerlichen Drohnen in städtische Arbeitsbienen zu verwandeln, war der Hunger: je niedriger der Lohn, desto härter würde sich das Proletariat schinden. Wieder ist es das Dogma harter Arbeit - tief verwurzelt in den Vorstellungen, was es heißt, Amerikaner zu sein -, das uns am Schuften hält und gleichzeitig glücklich darüber sein läßt, dermaßen ausgebeutet zu werden.
Der Kapitalismus hat den Job zu einer Religion gemacht, tragischerweise aber auch der Sozialismus. Die Linken sind mit dem sozialistischen Traum von der `Vollbeschäftigung´ einer Gehirnwäsche unterzogen worden.
Zeit ist nicht Geld! Arbeit und Muße können sich wieder verbinden! Es ist Zeit, die Kontrolle zu übernehmen, Arbeit und Leben wieder zu einer glücklichen Harmonie zusammenzuführen."
(Tom Hodgkinson, 2004)