Dienstag, 16. Juni 2026

Alle stehen vor einem Abgrund, nur Peter geht noch ´nen Meter

Peter Sloterdijk, seit seiner grandiosen "Kritik der zynischen Vernunft" (1983), "Kopernikanische Mobilmachung und ptolemäische Abrüstung" (1987), der "Sphären"-Trilogie (1998-2004), "Im Weltinnenraum des Kapitals" (2006) usw. als kluger Kopf bekannt, verstrickt sich in den letzten Jahren immer mehr in krude Thesen... (Schon 2010 hatte er die seltsam monarchistische Idee, staatliche Steuern durch "freiwillige Gaben" von "netten" Reichen zu ersetzen, und im Folgenden selbst die Gabe, mit "gut" (also links-humanistisch) gemeinten Analysen politische Kontroversen hervor zu rufen* ...)

In seinem neusten Werk, "Der Fürst und seine Erben" (2026, gemeint ist billiger-weise das Buch "Der Fürst" des Florentiners Machiavelli von 1531, der selbst eher ein Schleimer als ein "Fürst" war), gibt er, der ein Jahr Jüngere als Trump, eine nicht sehr originelle Trump-Beschreibung: der sei ein "verrückter Möchtegern-König", ein "Staatsstreich in Zeitlupe", aber ein infantiler "Beinahe-Analphabet", der den Staat bloß als amüsantes "Spielzeug" betrachte... Daher sei dieser widersprüchliche Wirrkopf "weniger gefährlich" als der fünf Jahre jüngere Putin, der immerhin einen "Plan" habe: nämlich den (längst von allen westlichen Kriegs-Treibern ins Feld geführten), das "sowjetische Imperium zurück zu erobern" (Gähn!), und da Putin auch nicht mehr der Jüngste sei, müsse er zur Verwirklichung dieses angeblichen "Plans" wohl bald "apokalyptische" Mittel anwenden, wie Sloterdijk im Chor mit den "Atlantik-Brücken"-Propaganda-Medien vermutet...

Mit diesem Mainstream-Tenor nicht genug, verlangt Peterchen, der ehemalige "Bhagwan"-Jünger**, in reinster NATO-Diktion von Europa auch noch das "Aufgeben pazifistischer Illusionen" - da die Welt wieder von selbst-ernannten "machiavellistischen Fürsten" regiert werde, müsse die EU "handlungs-fähig" werden: d.h. "durchregieren" statt der seichten Koalitionen und wackligen Minderheits-Regierungen, die zur Zeit den "Demokratien" den Zuspruch entziehen... Peterchen meint wohl tatsächlich, daß das, was volkt, sich "nach einem starken Mann sehnt"? Vielleicht sollte er sich auf die Rosen-Zucht zurückziehen, wie der greise Ex-Autokrat Adenauer...

Obwohl ich sogar jünger als Putin bin, kann ich Sloterdijks Enttäuschung über 60 Jahre erfolglosen Kampfes gegen Kapitalismus und für Humanisierung nachvollziehen - aber muß man deshalb gleich den Humanismus an der Garderobe abgeben und in obristische Phantasmen abgleiten? Für die "wacklige Weimarer Demokratie" war schließlich der Nazi-Faschismus nicht die "Lösung", sondern der Untergang - faxe System: Anarchie ist machbar, Herr Nachbar !

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* zur "Flüchtlings-Krise", zur "Finanz-Krise", zu den monotheistischen Religionen, zur EU, zur "Gender"-Politik usw.
** 1978-80 in Poona, bis 1982 in München im orangen Sanyassin-Gewand

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