Montag, 20. Oktober 2025

100 Jahre Margaret Thatcher ("Markt"-Radikale) und Robert Rauschenberg ("Kunst"-Radikaler) - Scheiß auf beide!

Margaret Roberts, aus kleinen methodistisch-religiösen Verhältnissen in Mittel-England, arbeitete ein paar Jahre als Chemikerin, dann heiratete sie den 10 Jahre älteren geschiedenen "adligen Baron" und reichen Unternehmer D. Thatcher (mit dem sie tatsächlich Kinder hat, obwohl sie wie die Verkörperung eines prüde-asketischen viktorianischen "Ehe-Handbuchs" aussieht). Als "Baroness" von eigener Arbeit befreit, studierte sie Jura, konvertierte ihrem Mann zum Gefallen zum Anglikanismus, ging für die konservative Partei in die Politik und wurde schließlich von 1979-90 meist-gehaßte britische Premier-Ministerin: unter ihr Regime fallen Aufrüstung und sinnloser Falkland-Krieg (1982), "Markt"-radikale Neo-"Liberalisierung" (Thatcherismus, der kurz darauf von Ronald Reagan´s Reaganomics kopiert wurde), Privatisierung von Staats-Unternehmen, Zerschlagung der Gewerkschaften und Prekarisierung der "Unterklassen" - ihr Erbe sind die Dominanz der deregulierten Finanz-Industrie ("City") über die abgewickelte Real-Ökonomie (Bergbau, Werften, Häfen usw.), die Erhaltung der ex-kolonial-britischen "Steuer-Oasen", der Abbau des Sozial-Staats, die Krise des staatlichen Gesundheits-Systems, die Verschärfung der Klassen-Gegensätze und die Zunahme der Obdachlosigkeit vor allem unter Jugendlichen...

Als sie 2013 starb, brannten überall in Groß-Britannien "Freuden-Feuer" ("Die Hexe ist tot!" - siehe meinen Eintrag vom 14.6.2023 zu ihrem 10. Todes-Jahrestag), aber zu ihrem 100. Geburtstag wird die fatale "Eiserne Lady" milde eine "polarisierende Politikerin" genannt - feiern tun und können sie allerdings nur verbissene Kapitalismus-gläubige "Oberklassen"-Reaktionäre und Brexit-"Nationalisten", mal abgesehen von ihrem Geburts-Ort, der sonst keine vermarktbaren "Attraktionen" zu bieten hat - ähnlich, wie das österreichische Braunau (sic!) am Inn, der Geburts-Ort Hitlers... vgl. die neue erste weibliche (na toll!) Regierungs-Chefin Japans, die leider eine "eisern" ultra-rechte Nachfolgerin ihrer neo-"liberalen" und patriarchalen Vorgänger ist...

Der "einflußreichste US-amerikanische Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jh.s", Robert Rauschenberg, aus ebenso kleinen religiösen Verhältnissen in Texas, landete 1948 im berühmten US-"Bauhaus"-Imitat "Black Mountain College", aber selbst die dortigen "revolutionären" multi-künstlerischen Absichten der "abstrakten Expressionisten" konnten seinen Drang nach "Entgrenzung" nicht befriedigen, also ging er vor Studien-Abschluß nach New York und fabrizierte in der Tradition von Malewitsch ganz "neu" mono-chrome "White Paintings" (später auch in schwarz und rot).

Laut Robert Rauschenberg - Alles ist Kunst - Die ganze Doku | ARTE ist ihm jedoch von (?) der Cherokee-Indianerin, die sein deutscher Großvater geheiratet hatte, eine unbändige "Unrast" vererbt (?) worden, sodaß er bald "bunter" wurde und die gestrengen Farb-Theorien seiner Lehrer sprengte, ohne daß dadurch seine abstrakten Gemälde verständlicher geworden wären.

Die "Verbindung zum Leben" suchte er schließlich mittels wirrer Collagen aus Zivilisations-Müll, den er (einschließlich ausgestopfter Tiere) mit Farben bekleckerte, oder mittels "Ready-Mades", die er á la Duchamp signierte. Die "Verbindung zur Politik der 60er-Jahre" (Vietnam-Krieg, Mond-Landung, Proteste), womit er sich "intensiv auseinander gesetzt" hatte, fand er in Siebdrucken von Presse-Fotos, die er in seine Farb-verkleckerten Collagen klebte und wiederum "mit kreativer Energie" bekleckerte, wofür er 1964 aus unerfindlichen Gründen den "Goldenen Löwen" der Venediger Biennale erhielt.

Fortan konnte er für Unsummen (mit bezahlten Helfern) wild zusammen-collagieren und bekleckern, was ihm grade in die Hände und in den Sinn kam, und es so kryptisch betiteln, wie er wollte: die hochbezahlten Resultate hängen oder stehen in den berühmtesten Museen der Welt.

Seine Kuratoren und Exegeten bescheinigen ihm den moderner-weise notwendigen "ständigen Willen zur Erneuerung und Grenz-Überschreitung" (mal legt er ein "Bild" auf den Boden, statt es an die Wand zu hängen, mal hängt er ein Farb-bekleckertes "Bett" an die Wand, statt es auf den Boden zu stellen: sowas von "Neuerung"!), sowie die übliche modern-geniale Bescheidenheit, nichts aussagen zu wollen, sondern "dem Betrachter einen Anstoß zur eigenen Interpretation" zu geben - da Rauschenberg nichts von "Kunst-Theorie" und eigenen "Deutungen" hielt, bleibt dem Betrachter auch nichts anderes übrig, wenn er Rauschenbergs wilde Konglomerate nicht bloß als häßlichen und nihilistischen "Früh-Punk" erkennen will...

Quasi "passend" dazu findet zur Zeit in der Pariser Bourse de Commerce eine Werkschau der "Minimalisten" der 1960er-Jahre statt, ebenfalls eine Gegenströmung zu den "abstrakten Expressionisten", die sich (allerdings im Gegensatz zu Rauschenberg) ganz der primitiven "Logik", den "elementaren" Formen, Rastern und Farben (wie bei Rauschenberg z.B. ein Revival der Monochromie), der "Objektivität" und Emotions-Losigkeit verschrieben hatten - aber auch da finden wohlwollende Kuratoren und Exegeten subtile Hinweise für die "intensive Auseinandersetzung mit dem Leben und der Gesellschaft": z.B. in einem Steinbrocken, der ganz banal auf einer zersprungenen Glas-Scheibe liegt, den versteckten "Widerspruch zwischen geologisch-natürlicher Beständigkeit und industrie-gesellschaftlicher Fragilität" - auf so einen blumigen Blödsinn ist wahrscheinlich nicht mal der Sendungs-bewußte "Kreative" (seinen belang-losen Namen hab ich vergessen) selbst gekommen...

In Wirklichkeit hat die "Kunst" seit Anfang des 20. Jahrhunderts (bis auf wenige als "reaktionär" verdammte Ausnahmen*) den Kontakt zur "Gesellschaft" verloren und an ihrer eigenen Selbst-Zerstörung gearbeitet - komischer-weise einhergehend mit einer finanziellen Explosion des "Kunst-Marktes": reiche "Sammler" sind zunehmend bereit, astronomische Summen für primitivistische bis banale Objekte von sich selbst überschätzenden Egozentrikern** hin zu blättern, die von einer weltfremden "Kunst-Kritiker"-Szene*** mit erfundener "Bedeutung" (und damit "Markt-Wert") beladen werden; bestes Beispiel ist die Leinwand-Kopie eines wie üblich infantilen "Gaffitys" des anonymen "Banksy", die während ihrer sinnlos spektakulären Versteigerung fern-gesteuert zershreddert wurde, und damit absurder-weise noch an "Wert" gewann.

Thatcher irrte mit ihrem post-faschistischen Bonmot: "There is no such thing as society." Richtig wäre gewesen: "There is no such thing as art." - zumindest seit "Kunst" kein Handwerk mehr ist, sondern ein spekulativer "Markt" wie die abstrakten Finanz-"Derivate", und die Gesellschaft ohne eine ihr adäquate Kunst leben muß...

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* z.B. Larsson, Escher, Rockwell, Hopper, Sowa usw., sowie die alten und  neuen Graphic-Novel-Künstler seit McKay ("Little Nemo"), Hergé ("Tim & Struppi""), Uderzo ("Asterix") usw.
** siehe z.B. den sinnfrei devotionalen Film "Richter Painting" (C. Belz, 2011) und Gerhard Richter – Wikipedia (#werk und rezeption)
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ich las einmal in einem "Feuilleton" die höchst allegorische und philosophisch interessante Beschreibung eines "Kunstwerks", ging darauf in die erwähnte Galerie und fand ein DIN-A3-großes infantiles Öl-Gemälde ohne irgendeine erkennbare interessante Aussage - zum Glück das einzige "Werk" dieses "Künstlers" in dieser Galerie, wenn auch nicht das einzige Bedeutungs-lose...

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