Montag, 28. Juni 2021

Kapitalismus 4: Gerechte Verteilung statt "Arbeitsplätze (?) schaffen"

V. Forrester (s. meinen Eintrag vom 27.6.: "Kapitalismus 3") wurde vorgeworfen, sie habe keine Ahnung von den "Gesetzen" der ökonomischen (Pseudo-)Wissenschaft, also von den selbst-gemachten Regeln der globalen "Monopoly"-Spieler - und das stimmt natürlich: zum Glück, denn man muß auch nicht die "Abseits-Regeln" kennen, um zu merken, daß "Fußball" ein Opium des Volks ist, an dem sich eine Plutokratie auf Kosten des Volks (u.a. der "Fans") bereichert.
Seit der neoliberalen Reagan-/Thatcher-"Revolution" der 80er-Jahre ist ja klar, daß der Kapitalismus sein "Versprechen" gebrochen hat, der technische Fortschritt werde den allgemeinen Wohlstand steigern ("trickle-down"-Effekt, bzw. Kennedy´s berühmte populistische Behauptung: "A rising flood lifts all boats!").

Im Gegenteil kehrt der Kapitalismus zu seinen "Hoch-Zeiten" im 19. Jh. zurück, in dem die Lebens-Bedingungen der Massen, wie man nicht nur von Engels weiß, schlechter wurden, als jemals zuvor: die frühen "Maschinen-Stürmer" waren keine reaktionären Nostalgiker, sondern hatten die kommende Entfremdung und Ausbeutung vorausgesehen.

Die bescheidenen Resultate der mal mehr, mal weniger erfolgreichen Kämpfe des industriellen "Proletariats" seit Mitte des 19. Jh.s, die in Deutschland in der "sozialen Marktwirtschaft" der Nachkriegs-Zeit gipfelten, werden nun nach und nach wieder abgebaut: eine neo-feudale Kaste von Kapitalisten eignet sich den gesellschaftlichen Wohlstand an und degradiert die Masse der Bevölkerung nach sozial-darwinistischen Prinzipien tendenziell zu Tagelöhnern.
Die globalisierte Finanz-Oligarchie hat die "3. Welt" zur "verlängerten Billig-Lohn-Werkbank" ihrer "1.Welt" gemacht und zwingt dieses Modell jetzt ihren Ex-Heimat-Ländern auf (Merkels "Wir haben, also Ihr habt, lange genug über unsere bzw. Eure Verhältnisse gelebt."): die "Flut" steigt eben (für einige Bauern-Schlaue) nur, wenn bei anderen Ebbe herrscht - ständiges "Wachstum" Einiger basiert auf Einschrumpfung Anderer...

In Deutschland wurde das 2005 offenbart durch die "Harz4"-Gesetze, die strukturell Arbeitslose mit (A-)Sozialhilfe-Empfängern gleichsetzten, also "unrentablen" oder "unverwertbaren" Mitgliedern der Gesellschaft nur noch das "Existenzminimum" zugestanden (was natürlich immer noch besser ist, als in Äthiopien, Indien, Italien, Guatemala oder den USA, wo es nichtmal das gibt...).
Gleichzeitig wurde eine Tagelöhner-Kaste mit befristeten "Mini"-, Teilzeit-, "Gig"- und/oder Niedriglohn-Jobs eingeführt (weniger als die Hälfte aller Jobs ist noch Tarif-gebunden) und der "Mittelstand" aufgespalten in viele Abstiegs-Gefährdete und wenige Aufstiegs-Fähige (die Zahl der Millionäre wächst, und noch mehr wächst die Zahl der Wohlstands-Verlierer) - eine Tendenz, die durch die "Corona-Lock-Downs" befördert wurde: man wird automatisch an die "20:80-Gesellschaft" erinnert, die der "global braintrust" der US-amerikanischen "Gorbatschow-Stiftung" bereits 1995 prophezeite: die digitalisierte Ökonomie werde in Zukunft nur noch 20% der arbeitsfähigen Bevölkerung "benötigen" (H.-P. Martin, H. Schumacher: "Die Globalisierungsfalle", 1996), also nur noch ein Fünftel, statt der bisher schon mit Unbehagen angenommenen zwei Drittel...

Schon die Grundgedanken sind grundverkehrt: erstens ist nicht jede sinnvolle menschliche Tätigkeit und jede notwendige Arbeit auf Kapital-Rendite ausgerichtet (und umgekehrt die meiste kapitalistische Arbeit Lebenssinn-entfremdeter Überlebenszwang), und zweitens würde die Effizienz-Steigerung durch Roboterisierung und Künstliche Intelligenz dem gesunden Menschen-Verstand nahelegen, daß dann jeder bei vollem Lohn nur noch ein Fünftel der Zeit arbeiten müßte (die klassische deutsche Marktwirtschaft vorausgesetzt). 

Es wären natürlich auch noch paradiesischere Modelle vorstellbar, wenn man nicht nur Mindest-, sondern auch Höchst-Einkommen und Höchst-Vermögen festlegen, Anti-Kartell- und Anti-Monopol-Gesetze erlassen und reale und virtuelle Spekulationen und trans-nationale "Steuer-Optimierung" verbieten würde, statt nur prekäre "Schwarz-Arbeit" der kleinen Leute zu verfolgen...

Eine völlig neue Humanität täte sich auf, wenn man das ganze absurde Finanz-System samt seinem sinnlosen "Effizienz"-Denken und seiner "Globalisierung" abschaffen und zu dem natürlichen Gedanken zurückkehren würde, daß die "Wirtschaft" sowohl dem Menschen zu dienen hat (statt daß der Mensch "Markt-konform" werden muß), als auch das ökologische Gleichgewicht erhalten muß, damit nach uns nicht die Sintflut kommt, die die digitalen kinderlosen Nerds und Dinks ("double income, no kids") bereits fatalistisch hinzunehmen scheinen - aber auch Wohlstands-verblendete Eltern und die Millionäre des Davoser "Wirtschafts-Forums".

Im alten China wurden Ärzte nicht für Kranken-Behandlung (Steigerung des "BIP"), sondern vernünftigerweise für Gesund-Erhaltung ihrer Klienten (also eigene Arbeitslosigkeit infolge von Prophylaxe) belohnt - ähnlich sollte sich ein Tischler zufrieden und wohlversorgt zurücklehnen oder seinen Gemüse-Garten bestellen können, wenn alle einen Tisch haben, statt um´s Verrecken neue "Märkte" für Tische auftun zu müssen: die einzige Bier-Brauerei des "Kosovo" floriert so vor sich hin, aber ihre "Manager" grollen vor sich hin, daß sie nicht "expandieren" können, weil Serben und serbische Bosnier ihnen den "Export" verweigern - na und? Reicht doch, wenn sich die Kosovo-Albaner Mut für ihre Blutrache-Fehden antrinken... Global denken, lokal handeln.

Samstag, 26. Juni 2021

Dazwischen: wi(e)der "Corona"-Abstrusitäten

In den Nachrichten "zuerst die gute Nachricht: die Inzidenz-Zahlen sinken - dann die schlechte: sie könnten wieder steigen..." - natürlich wegen der "indischen" (hochwichtiger genannt "Delta"-)Variante des Virus, die natürlich nochmals "viel ansteckender" sein soll, als schon die ("englischen", "südafrikanischen" usw.) "Alpha"-, "Beta"- und "Gamma"-Varianten, wie die grassierenden (leider unzuverlässigen) "Tests" angeblich beweisen: wie bei jeder Grippe-Welle (und auch sonst im Alltag) kommen also offenbar sehr viele Menschen in Kontakt mit den saisonal verbreiteten Viren (was man bisher bloß noch nie getestet hatte), und ihr Immunsystem hinterläßt nachweisbare Bruchstücke von deren zerstörtem Genom - solche gesunden Leute nennt man "asymptomatisch Infizierte" oder "Genesene": fehlen bloß tatsächlich Erkrankte oder sogar an (oder mit) "Corona" Gestorbene (auf dem Höhepunkt der "3. Welle" im März 2021 war die allgemeine Sterberate geringer, als im Durchschnitt der Vergleichs-Monate der letzten 5 Jahre...)  - eine Virus-"Plage", mit der das menschliche Immunsystem fertig wird, ist schließlich keine "Pandemie", sondern Alltag, und die sogenannten "Genesenen" waren schließlich zu mehr als 99% nie irgendwie krank...

Abgesehen davon, daß Inzidenz-Zahlen also nicht viel aussagen, ist, daß sie steigen "könnten", natürlich keine "Nachricht", sondern reine Panikmache, die von der "Alpha"- bis zur "Omega"-Variante ausgespielt werden kann, also noch jahrelang...

So, wie die "Lock-Downs" den kommerziellen Mittelstand zugunsten der digitalen Versand-Multis halbwegs ausgemerzt (oder in den Niedrig-Lohn-Sektor abgedrängt) haben, dient die "Impf"-Propaganda ganz offensichtlich nur dem Profit von Pharma-Multis, die nicht nur ihre Steuern global "optimieren", sondern nun staatlicherseits Verantwortungs-befreit Steuergelder kassieren, um per "zeitlich begrenzter Not-Zulassungen" bisher nicht Zulassungs-fähige (v.a. gentechnische RNA-)"Medikamente" im globalen Menschen-Versuch testen zu können, wofür sie bisher fatalistische Versuchs-Personen in Langzeit-Studien bezahlen mußten ("Ein Kreuz für jeden, den´s erwischt" - Hans-A-Plast, zweckentfremdet).
Laut P.-Ehrlich-Institut (Bundes-Inst. f. Impfstoffe des Gesundh.Min.s) gab es zwischen 2000 und 2020 durchschnittlich rund 10 registrierte Todesfälle pro Jahr "im Zusammenhang mit Impfungen" - allein im ersten Quartal 2021 sind es bereits über 400, ein Großteil davon bei den "primär zu Schützenden": den Altersheim-Bewohnern... Hier ist nun von "Zufall" und "Vorerkrankungen" die Rede - was man bei "mit-Corona"-Todesfällen nicht gelten lassen wollte...

Der Masken-Fetischismus, der (außer einer Menge Geld für betrügerische Profiteure einschl. Politikern, wie bei den nutzlosen "Test-Zentren"...) in Wirklichkeit nur Sauerstoffmangel (= Verblödung) und eine Keim-Brutstätte direkt vor der Nase erzeugt, ist sowohl eine Uniform des Kadaver-Gehorsams, als auch ein öffentliches Symbol des "Ausnahme-Zustands": die gehorsam in der Öffentlichkeit (und sogar an der frischen Luft) mit Schweine-Schnauzen rumlaufenden und -radelnden "Gut-Bürger" verkörpern, wie mittelalterliche Flagellanten, die psychopathische Massen-Angst vor der modern-mystischen "Apokalypse"... Das "Mittelalter" war nicht "dunkler" als die "Gegenwart"...

Ich kann nur wieder sagen: wacht auf, Verdummte dieser Erde !

Kapitalismus 3: Alles nix Neues - "Segnungen des Fortschritts"

Viviane Forrester (1925-2013) hat in ihrem Bestseller "Der Terror der Ökonomie" bereits vor 25 Jahren beschrieben, was noch heute passiert (und sie hat für dieses Pamphlet, trotz hämischer Verrisse durch die Neoliberalen, in Frankreich ausgerechnet den angesehenen "Prix Medici" erhalten, benannt nach den Miterfindern des Finanz-Kapitalismus...):

>Ein Arbeitsloser ist heute nicht mehr Objekt einer vorübergehenden Ausgliederung aus dem Wirtschafts-Prozeß, die nur einzelne Sektoren betrifft, nein, er ist Teil eines allgemeinen Zusammenbruchs, (...) Opfer einer globalen Logik, die die Abschaffung dessen erfordert, was "Arbeit" genannt wird, das heißt die Abschaffung der Arbeitsplätze. (...)
Man weiß nicht, ob es angesichts eines andauernden, nicht zu behebenden Mangels an Arbeitsplätzen lächerlich ist oder eher grausig, jedem der nach Millionen zählenden Arbeitslosen eine "nachweisbare und ständige" Suche vorzuschreiben - nach einer Arbeit, die es nicht gibt. (...) Es will etwas heißen, daß jene, die die Arbeit in den allermeisten Fällen knechtet, dazu gebracht werden, um Arbeit zu betteln, und zwar egal um welche und egal zu welchem Preis (das heißt immer: zum niedrigsten). (...)

Niemals hätte man sich vorzustellen vermocht, daß die Erlösung vom Halseisen der mühevollen Arbeit einer Katastrophe gleichkäme, (...) und ebensowenig hätte man jemals geahnt, daß eine Welt, die auch ohne den Schweiß auf der Stirn so vieler Menschen auszukommen vermag, sogleich (ja sogar im vorhinein) zur Beute einiger weniger würde und daß man in ihr nichts Dringlicheres zu tun haben würde, als die überflüssig gewordenen Arbeiter gnadenlos in die Enge zu treiben (...). Wir werden zu Zeugen einer immer offenkundigeren Einsetzung einer Oligarchie, zu der angeblich keine wie auch immer geartete Alternative denkbar ist, und erleben einhellige Zustimmung und ein Einverständnis von kosmischen Ausmaßen. Eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Problematik (von Kämpfen ganz zu schweigen) findet nicht statt, fehlt so vollständig, daß den Entscheidungsgewaltigen ganz schwindlig wird.
(...) im Verlauf des G7-Treffens zur Beschäftigung im April 1996 (...) herrschte Einigkeit über die unabdingbare Notwendigkeit einer Deregulierung, einer Flexibilisierung, mit einem Wort: einer "Anpassung" der Arbeit an eine von immer weiteren Kreisen befürwortete, ja sogar zu einem Gemeinplatz gewordene Globalisierung, die sich als völlig indifferent gegenüber "sozialen Fragen" erweist. Dies scheint sich nunmehr von selbst zu verstehen. (...)

Das angelsächsische Modell erzielt seit einiger Zeit Erfolge bei der statistischen Verringerung der Arbeitslosigkeit - dank eines Sozialhilfeniveaus, das fast auf Null gesunken ist, dank eines spektakulären Rekords bei der Flexibilisierung der Arbeit und nicht zuletzt dank der Tatsache, daß -mit den Worten des amerikanischen Arbeitsministers- "die Vereinigten Staaten darin fortfahren, eine große Ungleichheit bei den Einkommen zu dulden (...)".

Zum ersten Mal ist die Masse der Menschen für die kleine Zahl derer, die über die Macht verfügen und für die die Menschen außerhalb ihres kleinen Kreises nur hinsichtlich ihrer Nützlichkeit von Interesse sind (was einem täglich stärker bewußt wird), materiell nicht mehr notwendig und wirtschaftlich erst recht nicht.<

( aus V. Forrester: "L´horreur économique", 1996, dt. 1997, TB 1998, Hervorh. von mir - vgl. H.-P. Martin, H. Schumacher: "Die Globalisierungsfalle", 1996; J. Ziegler: "Das Imperium der Schande", 2005; N. Klein: "Die Schock-Strategie", 2007; J. Stiglitz: "Der Preis der Ungleichheit", 2012)

Freitag, 25. Juni 2021

Kapitalismus 2: Profit gegen Nachhaltigkeit

Die Papier-Fabrik Chapelle Darblay bei Rouen war die einzige Papier-Recycling-Fabrik Frankreichs, sie hat den Inhalt eines Drittels aller Papier-Tonnen von Frankreich (480.000 Tonnen/Jahr aus 350 Kommunen) zu Zeitungspapier verarbeitet, und das auch noch CO²-Emissions-frei, indem im eigenen Biomasse-Heizkraftwerk aus den Abfällen (einschl. Entfärbungs-Schlamm) genug Wärme für eine 20.000-Einwohner-Stadt erzeugt wurde: ein ökologisches Vorzeige-Projekt, das 2019 noch 16 Mio. € Profit abwarf.

Offenbar nicht genug für den Eigner, die "finnische" UPM, den weltweit 7.-größten Zellulose- und Papier-Produzenten: der pseudo-"öko-zertifizierte" Welt-Konzern beschloß 2020 die Schließung der Fabrik aus "Wettbewerbs-Gründen" und investierte lieber 2 Mrd. € in eine Fabrik in Uruguay, die offenbar profitableren Zellstoff aus Eukalyptus produzieren soll, also aus anzupflanzenden und wieder abzuholzenden Mono-Kulturen...

Die 230 Angestellten in Frankreich wurden entlassen und Chapelle Darblay steht, noch funktionstüchtig, seit einem Jahr still - die französische Regierung hält es trotz "Pariser Klima-Abkommen" nicht für nötig, den Betrieb zu übernehmen oder aufrecht zu erhalten: statt dessen wird das bisher verarbeitete Alt-Papier inzwischen per LKW in deutsche Recycling-Betriebe verfrachtet - Transport-Wege von 2 Mio. km/Jahr mit entsprechendem Energieverbrauch und Emissionen...

UPM hatte schon 1978 die älteste Papier-Fabrik Europas in Docelles (Vogesen, gegr. 1478) aufgekauft und 2014 als "unrentabel" geschlossen...

Der Kapitalismus entläßt seine Kinder.

Frankreich: Eine Papierfabrik steht vor dem Aus - Die ganze Doku | ARTE

Kapitalismus 1: EU-"Agrar-Reform"

Infolge des Einsatzes von Insekti- und Pestiziden sind in Europa viele Vogel-Arten bereits zu 20-80% ausgestorben...
Nichtsdestotrotz traut sich die angeblich "epochale" EU-"Agrar-Reform" (wie schon beim Bienen-schädlichen und Krebs-erregenden "Glyphosat") nicht, die entsprechenden Stoffe ("Imidacloprid" u.ä.) zu verbieten: die Chemie-abhängigen Agrar-Unternehmen (schließlich gibt es in Europa kaum noch romantische "Bauernhöfe") befürchten nämlich einen "globalen Wettbewerbs-Nachteil", falls Europa strengere ökologische Vorschriften einführt, als die Agro-Chemie-Konzerne in Ländern der "3. Welt" (einschl. der USA) vorfinden (oder erzwingen), aus denen die Nahrungsmittel-Multis dann billige Konkurrenz-Produkte importieren, sodaß die europäischen Agrar-Unternehmen ihre Erzeugnisse zuhause nicht loswerden, und sie selbst exportieren müssen - und um "global Wettbewerbs-fähig" zu sein, müssen sie nicht nur "rationell" und "effizient" (also mit Einsatz von Pestiziden) produzieren, sondern auch noch von der EU subventioniert werden...

Muß man diesen Wahnsinn noch erklären? - Das entspricht der Argumentation: "Vergeßt die Bismarckschen `Sozial´-Gesetze und erst recht die `soziale Marktwirtschaft´, denn anderswo machen Leute euren Job für 1 € pro Tag." Oder: "Kauft chilenische und neuseeländische Äpfel - unsere eigenen zu pflücken wäre zu teuer."
Und: "Freßt Pestizide - Milliarden Billig-Fresser können nicht irren."

Sonntag, 20. Juni 2021

Wie und wieso haben "wir" den überlegenen Neandertaler ausgerottet?

D. Adams beschreibt in "Per Anhalter durch die Galaxis" eine nicht von der Hand zu weisende mögliche Erklärung der menschlichen "Evolution": die unerträglich bürokratische und penetrante Kaste der "Telefon-Desinfizierer" einer fernen galaktischen "Zivilisation" wird von deren genervten Bürgern in ein Tiefkühl-Raumschiff entsorgt, das auf Kollision mit dem marginalen Planeten "Erde" programmiert ist... Der "Hitchhiker" Arthur Dent und sein galaktischer Begleiter sorgen jedoch für eine sanfte Notlandung, sodaß die aufgetauten "Telefon-Desinfizierer" sogleich wieder ihr bürokratisches Imperium installieren, wogegen Homo Neandertalensis und Homo Heidelbergensis natürlich nicht ankommen und aussterben...

Das hieße, die Menschheit stammt nicht gut-darwinistisch von den Affen, den Primaten und den Australopitheken ab, sondern von den Anal-Charakteren einer dekadenten "Zivilisation": in der Tat wären damit einige Perversionen der herrschenden Gesellschafts-Ordnung erklärt - nicht zuletzt der fatale quasi-religiöse Glaube an ein verselbständigtes Finanz-System, das der Masse der Gläubigen ganz offensichtlich mehr schadet, als nützt: seit der "neolithischen Revolution" (nicht nur nach Hariri´s "Kurzer Geschichte der Menschheit" der bisher "größte Betrug"...) ist die Menschheit zunehmend von Streit um Besitz (an Immobilien und Mobilien), von Haustieren verursachten Seuchen, militaristischen Hierarchien und einem utilitaristischen Krämer-Geist geplagt, der längst pandemisch oder vielleicht sogar epigenetisch und heutzutage für fast alle Übel der Gesellschaft verantwortlich ist...

Im Gegensatz zu den archaischen und heute noch in Restbeständen lebenden Jägern und Sammlern, die spätestens ab ihrer "Pubertät" vollwertige, körperlich und seelisch gesunde und zugleich sozial-kooperative Allround-(Über-)Lebenskünstler waren (und teils noch sind), sind wir zu fettleibigen System-abhängigen einseitigen "Spezialisten" degeneriert, die schnell sterben würden, wenn die Strom-Versorgung ihrer "Server" zusammenbrechen würde: ein armseliges Menschenbild !

Der wahrscheinlich garnicht so "primitive" Neandertaler war möglicherweise ebenso dem vermutlich aus den Randgebieten der "neolithischen Revolution" einbrechenden "Homo Sapiens" überlebens-technisch überlegen, aber dessen spitzfindiger "Telefon-Desinfizierer"-Organisation nicht gewachsen - daher die bis heute gültige Sieger-Geschichts-Schreibung, daß "komplexere" Gesellschaften per se ein "Fortschritt" sind, selbst wenn sie eine Schreckens-Herrschaft über die Masse der Menschen bedeuten, wie die antiken mesopotamischen, ägyptischen, chinesischen, griechischen, römischen und die mittelalterlichen (einschl. der mexikanischen, peruanischen, ugandischen, indischen usw.) Feudal-Diktaturen, bis hin zum heutigen globalen Finanz-Kapitalismus.

Wie man spätestens am Früh-Kapitalismus der "Renaissance" und den folgenden imperialistischen Kriegen (am eindrücklichsten bereits am "30-jährigen") sehen kann, basiert unsere "Zivilisation" auf einer materialistischen Barbarei, die inzwischen sozial-darwinistisches Dogma ist: der Mensch sei nun mal "des Menschen Wolf" und kämpfe ständig um das "Überleben" seines "egoistischen Gens" (Dawkins) - dabei sind sogar schon die Wölfe auf ihrer instinktiven Ebene genauso soziale und kooperative Wesen, wie der Mensch es biologisch immer noch ist.

Besonders am Menschen zeigt sich, daß die "Evolution" nicht "fortschrittlich" ist, sondern genauso, wie die menschliche "Geschichte", allzu häufig die falsche Abzweigung benutzt hat - die "Evolution" ist eben nicht vergleichbar mit der Gründung und Effizienz-Steigerung eines kapitalistischen Handels-Unternehmens, obwohl die herrschende "ökonomische Wissenschaft" im Gefolge von Malthus, Ricardo, A. Smith und Darwin uns das weismachen will.

Die Philosophen der "Aufklärung" haben die bis heute gültige Auffassung von "Zivilisierung" geprägt: der "primitive" Mensch lebte in anarchischem Krieg "Jeder gegen Jeden" und auf ständiger Suche nach Nahrung, die Seßhaftigkeit brachte ansatzweise Nahrungs-Sicherheit und erforderte erste "Regeln" für Grund-Besitz, und von da an ging es schrittweise auf dem Weg der "Vernunft" bis zur "Republik" (was auch immer das sein mag: Kant z.B. war dafür, aber gegen "Demokratie"...) - in Wahrheit sind mit zunehmender "Zivilisierung" nur die Hierarchien und deren ökonomische "Vernunft" (also die Ausbeutung durch entfremdete Arbeit der Unterdrückten) und die Perfidie der Kriegs-Führung gewachsen, wie schon ein grober Überblick über die Welt-"Geschichte" zeigt.

In Wirklichkeit mußte der "Primitive" für seine Ernährung weniger "arbeiten", als der kapitalistische Prolet (vgl. Bölls "Anekdote zur Arbeitsmoral") und waren seine "Kriege" nur ritueller Ausdruck seiner Fremden-Furcht in einer dünn besiedelten und normalerweise isolierten und kontaktlosen Welt, die erst durch imperiale Vorstöße (z.B. der Mongolen in Eurasien, oder der US-Kolonisation in Amerika) im eigentlichen Sinn "militarisiert" wurden.

Die einzigen Beispiele sozialer, kooperativ-ökonomischer und ökologischer Vernunft findet man heutzutage jedenfalls nur noch bei den überlebenden "Primitiven", die noch nicht von Kapitalismus und (christlichem oder islamischem) Monotheismus befallen sind: Jäger-und-Sammler-Kulturen oder Hirten-Nomaden in Süd-Amerika, in Süd- und Zentral-Afrika, im tropischen Asien, in Australien und in den subarktischen Gebieten: diese Kulturen entsprechen manchmal fast, aber nicht notwendigerweise immer, Rousseau´s Ideal vom "Guten Wilden" oder Bougainville´s paradiesischem "Tahiti-Mythos" - aber egal, ob "ur-kommunistische" Horden oder abergläubische "Herr-der-Fliegen"-Sekten: eine wirkliche "Zivilisierung" von diesen archaischen Ausgangs-Punkten aus hätte anders ausgesehen, als die historisch überlieferte, deren Folgen wir heute sehen: eine pseudo-"demokratische" Oligarchie von bauern-schlauen und ansonsten geistig-moralisch minder-bemittelten Neo-Feudalisten - kurz: "Telefon-Desinfizierern" á la Bill Gates.

Mittwoch, 16. Juni 2021

Auto-Demo-Kratik und Knarren-Bauertum

Das "Arte-Journal" berichtete heute über "Biden´s wichtigstes Treffen seiner Euro-Tournee": der (so wörtlich) "Verfechter westlicher Demokratie" trifft den "russischen Autokraten" - gemeint ist der immerhin gewählte Präsident Putin -, dem der "Verfechter" eine lange Liste von Verfehlungen vorzuwerfen hat: Mord (siehe meine Einträge vom 2., 18. und 26. März: "Mörder Biden"),Verletzung von Völker- und Menschenrechten, Einmischung in anderer Länder Angelegenheiten, Lügen-Propaganda, Cyber-Angriffe, Gas-Lieferungen in die EU usw. usw.

Also alles Dinge, in denen die USA seit Jahrzehnten (und mit Biden weiterhin) Welt-Spitzenreiter sind (oder beim Gas werden wollen) und zu denen sie offenbar meinen, als einzige auf der Welt berechtigt zu sein... (Ein bißchen vielleicht noch Israel und Sau.-Arabien...)

Ganz abgesehen vom weltweiten Alleingang der USA in Sachen Rüstungs-Wahnsinn, den die Frauen Knarrenbauer und Bockbier so erotisch finden (vgl. T. Pynchon: "Vineland"), daß sie als kleinen Flirt mit dem Imperium wenigstens auch 100 Milliarden € deutscher Steuergelder in einen neuen Euro-Kampf-Jet (Atombomben-tauglich und mit Killer-Drohne) stecken und den Rüstungs-Etat NATO-treu erhöhen wollen, um der "Bedrohung durch Rußland" zu begegnen, dessen Rüstungs-Etat 12mal kleiner ist, als der der USA...

Biden will dem zu nichts verpflichtenden Pariser "Klima-Abkommen" beitreten? Na prima, nichts leichter und folgenloser, als das - aber ansonsten hat sich am imperialen Gehabe der USA nichts geändert: Sanktionen gegen den Rest der Welt, Drohnenmorde und Bombardierungen, Folter-Gefängnisse und politische Gefangene, keine Anerkennung des Internationalen Gerichtshofs, kein Iran-Abkommen, Flotten-Drohungen im Persischen Golf und im Chinesischen Meer, Russo- und Sinophobie, und zuhause "Patriot Act" und "Homeland Security", Rassismus und evangelikaler Fundamentalismus, Amok-Läufe, Polizei-, Abhör- und Überwachungs-Staat, keine Kranken-Versicherung sowie Verschärfung der Klassen-Gegensätze und wachsende Armut - ein echter "Verfechter westlicher Demokratie" (denn so ist die "westliche Demokratie nunmal): vielleicht kein "Autokrat", weil bei ihm zuhause ganz andere Leute das Sagen haben, nämlich die Finanz-, IT-, Rüstungs- und Pharma-Milliardäre, und er ist nur Multi-Millionär...

Und ob die Millionärs-"Wahlen" in den USA "demokratischer" sind, als die in Rußland, China, Iran oder Kuba (oder in der DDR), darf schon seit 245 Jahren bezweifelt werden.

(Verdammt: schon 45 Jahre her, daß Zappa und Beefheart auf "Bongo Fury" sangen: "She´s 200 years old, so mean she couldn´t grow no lips... Like she had true religion..." - die fiesen schmal-lippigen USA mit ihrem Pseudo-Heiligenschein)