Montag, 13. März 2023

Klima-Krise und Feminismus: Wunsch und Wirklichkeit ("Sein und Streit")

Vor paar Tagen eine Diskussion auf "D-Radio Kultur": ein "CDU"ler aus Heilbronn ist "natürlich für die Umwelt und für Maßnahmen zur Bewältigung der Klima-Krise - wir haben doch dieselben Ziele", aber wenn Demonstranten sich auf Straßen festkleben und "freie Bürger nötigen oder quasi in Geiselhaft nehmen und sie daran hindern, per Auto ihr angestrebtes Ziel zu erreichen", dann ist das ein "gesetzeswidriger Akt und muß bestraft werden"...

Ein "Konfliktforscher" hält dagegen, daß "unsere Demokratie" als letztes Mittel den "zivilen Ungehorsam" erlaubt, also die Verweigerung des Rechts-Gehorsams unter Inkaufnahme der juristischen Folgen im Sinne Thoreau´s, der lieber ein paar Tage in den Knast ging, als eine Steuer-Forderung zu bezahlen, und die Zeit in der Zelle nutzte, um sein Pamphlet "Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat" (1849) zu schreiben (während ein Gönner die "Schuld" für ihn bezahlte) - wobei diese Folgen des Ungehorsams im Ermessen des Gerichts liegen: es also auch "legitimen" Ungehorsam geben kann (vgl. die Deserteure und "Fahnen-Flüchtigen" im Nazi-"Reich", deren Verurteilungen und Hinrichtungen durch Freisler, Filbinger & Co. allerdings grotesker-weise erst Jahrzehnte später, nämlich 1998 in Einzelfällen und erst 2002 pauschal, posthum für unrechtmäßig erklärt wurden, was der ultra-reaktionäre unter-fränkische "CSU"-Abgeordnete Norbert Geis, geboren 1939, also "nur" früh-BRD-"wehrpflichtig", noch 2002 eine "Schande" fand - bis 2009 blockierte dieser Spät-Faschist, Opus-Dei-Aktivist und BRD-"Verdienst-Ordens"-Träger ein Gesetz zur Rehabilitierung aller von Nazi-Militär-Gerichten Verurteilten, und scheinbar ist er leider noch nicht gestorben...).

Eine wegen 9-minütigem "Kleben" mit den o.g. "CDU"-Argumenten zu 600 € Geldstrafe verurteilte Vertreterin der "Letzten Generation" weist auf den Zusammenhang zwischen "freiem" Auto-Fahren und dem Klima hin (der unbehinderte Auto-Fahrer ist ja in gewisser Weise wie der Besitzer von Rüstungs-Aktien, der "natürlich keinen Krieg", sondern nur Dividende will...), sowie darauf, daß sie selbst genötigt und in Geiselhaft genommen wird, indem das selbstgerechte kapitalistische System seinen Konkurs auf Kosten der nachfolgenden (möglicherweise "letzten") Generationen verschleppt und stur weiter macht, wie bisher...

Im Philosophie-Podcast "Sein und Streit" (26.2.2023) desselben Senders erklärt ein philosophischer Buchautor diese Sturheit zu einer "evolutionären" intellektuellen Unfähigkeit der Menschheit, in langen Dimensionen denken zu können (als wäre nicht schon die Steinzeit-Horde dazu in der Lage gewesen, ganz zu schweigen vom Eichhörnchen), und warnt vor dem "Panik-Punkt", wenn die Menschheit erkennen muß, daß alle bisher ignorierten Klima-Warnungen begründet waren und es nun zu spät ist... Diese "Menschheit" besteht allerdings nur aus den von (echter) Bildung Ausgeschlossenen, von Propaganda Verseuchten und sonstwie Betäubten, oder aus "FDP"- und "ADAC"-Mitgliedern, die seit der sogenannten "Aufklärung" gezielt davon abgehalten werden, ihr eigenes bzw. das gesellschaftliche Wohl zu erkennen oder sich gar dafür einzusetzen: gegen die wohl-informierten Protestierenden zwingen die ebenso informierten herrschenden Plutokraten und ihre Agenten in den Medien und in den Wissenschaften die Menschheit sehenden Auges in den ökologischen Untergang, ohne daß irgendein Gericht das als "gesetzeswidrigen Akt, der bestraft werden muß" betrachtet - angesichts dessen sind die masochistischen "Klebe"-Aktionen der Umwelt-Aktivisten doch Kinderkram, wo man gradezu eine bewaffnete anti-kapitalistische Guerilla zur Verteidigung des Planeten erwarten müßte: in den 1970er-Jahren haben revolutionäre Idealisten aus viel abstrakteren Gründen nicht nur zu Klebstoff, sondern zur Waffe gegriffen...

Passend dazu interviewt "Sein und Streit" (5.3.2023) eine Philosophin zum Thema "Sicherheit": zunächst argumentiert sie humanistisch, daß "Sicherheit" nicht nur "Polizei und Knast gegen Kriminalität" oder "Aufrüstung gegen militärische Bedrohung" bedeute, sondern eher sicheren Zugang der Bevölkerung zu lebens-notwendigen Ressourcen und sozialer Teilhabe zwecks Vermeidung von Gewalt als letztem Mittel der Prekarisierten (sei es durch illegale Straßen- oder institutionalisierte Kriegs-Verbrechen) - von der nach wie vor männlich geprägten Kriminalität und Militarisierung geht es dann zu B-Bocks angeblicher "feministischer Außen-Politik": wie die Flinten-Weiber (samt Vonderleychen), die in letzter Zeit deutsche Kriegs-Ministerinnen waren, ist B-Bock ja auch vom Militarismus besessen, und die humanistische Philosophin sagt daher brav "D-Radio"-politisch-korrekt, daß "natürlich zur Zeit" die Verlängerung des Ukraine-Kriegs durch westliche Waffen-Lieferungen á la B-Bock "unumgänglich" sei, aber daß "auf lange Sicht" die "feministisch-mütterlich-schwesterlich-pazifistische" Ansicht sich hoffentlich durchsetzen werde - na, vielleicht sterben die allgegenwärtigen quasi-patriarchalistischen und bellizistischen Thatcher-Abziehbilder ja wirklich irgendwann mal aus, aber eigentlich ist eher zu erwarten, daß immer mehr kapitalistisch geschulte Damen das Heft übernehmen und sich genau deshalb nichts ändern wird - genauso wenig, wie durch ein paar (vom Bullen bis zum Präsidenten) beamtete privilegierte "Schwarze" oder "Farbige" in den USA oder in England (siehe meinen Eintrag vom 6.2.2023)...

P.S. Die Namen der Beteiligten konnte ich mir beim Auto-Radio-Hören weder merken, noch notieren, aber wer es unbedingt will, kann sie wohl rauskriegen...

Donnerstag, 9. März 2023

Kriegsverbrechen gehören zum (Propaganda-)Geschäft

Die Russen beschuldigen die Ukros der Pogrome gegen und Massen-Liquidation von "Pro-Russen", die Ukros beschuldigen die Russen der Folter und Massen-Vergewaltigungen...

Die "Vergewaltigungen" waren erklärtermaßen die Erfindung einer Ex-Ukro-Beamtin "aus taktischen Gründen", wohingegen sich die Ukros selbst der standrechtlichen Liquidierung von "Pro-Russen" rühmen - der "Westen" stellt sich trotzdem ohne Wenn und Aber hinter die Ukro-Position: das bisher unaufgeklärte "Massaker von Butscha" wird nach wie vor "automatisch" den Russen in die Schuhe geschoben, und man "ermittelt wegen zig-tausender mutmaßlicher russischer Kriegs-Verbrechen".

In Anlehnung an Goya könnte man sagen: "Der Krieg gebiert Ungeheuer", denn garantiert passieren am Rand der Militär-Einsätze in der Ukraine ungeheure Dinge von beiden Seiten - wie in jedem Krieg, der eben ein "Schlaf der Vernunft" ist...

Aber wie so einiges an diesem anachronistischen Krieg erinnert auch die aktuelle Propaganda an den grotesken 1. Weltkrieg: damals verbreitete die Entente Greuel-Märchen von deutscher Barbarei (belgischen Kleinkindern abgehackte Händchen usw. - vgl. die "Brutkasten"-Lüge im Kuwait-Krieg), unter anderm um die USA (letztlich erfolgreich) zum Kriegs-Eintritt zu bewegen... Nach Kriegs-Ende war von solchen "Kriegs-Verbrechen" Deutschlands nicht mehr die Rede, obwohl man auf die "Schmach von Versailles" leicht noch einen hätte drauf setzen können - aber offenbar war alles nur Propaganda-Geschrei im "Eifer des Gefechts" gewesen: "Pack schlägt sich - Pack verträgt sich."

Die einzigen, die darunter zu leiden hatten, waren die der "Feind-Spionage" verdächtigten Deutsch-US-Amerikaner, deren einflußreiche Rolle als größte Einwanderer-Gruppe damit endgültig beerdigt war und die sich demütig "anglisierten": so wurde die "Frankfurter Wurst" zum "Hot Dog", "Schulz" zu "Shultz", "Nudelmann" zu "Nuland" und das "Sauerkraut" eine zeitlang zum "Liberty Cabbage"... (siehe M. d´Eramo: "Das Schwein und der Wolkenkratzer" - in jeder Hinsicht erhellend über die USA !)

Was dagegen die permanenten Kriegs-Verbrechen der USA betrifft, landet jeder, der sie aufdeckt, im Knast, und die aufgedeckten Verbrechen werden bagatellisiert oder tot-geschwiegen - möge die welt-größte Heuchel-"Demokratie" daran ersticken !

Scheiß auf Nawalny und "Pussy Riot" oder Ai Weiwei (Ohweih!) - Freiheit für CHELSEA MANNING, JULIAN ASSANGE, EDWARD SNOWDEN, MUMIA ABU-JAMAL, LEONARD PELTIER und alle politischen Gefangenen im "Westen", bevor man das Lügen-Maul aufreißt !

Krieg ist "Zivilisation"?

Ab und zu wiederholt "Arte" sein 4-teiliges "Doku"-Drama "Die Geburt der Zivilisation" (2018), in dem verschiedene Neo- und Sozial-Darwinisten darlegen, daß 4 Faktoren unabdingbar zur "Zivilisation" gehören: Religion, Handel, Städte und Krieg.

Mit reißerisch gestellten "historischen" Szenen in vorwiegend "orientalischer" Kulisse, einer hoch-dramatischen Kommentatoren-Stimme und ebensolcher enervierender Musik, hektischen Film-Schnitten wie bei einem Rock-Konzert, pittoresken Drohnen-Flügen und fabulierenden Wissenschaftlern wird da behauptet, daß "Zivilisation" notwendigerweise eine "zerstörerische Schöpfung" sei - daß Gewalt, Mord, Eroberung, Zerstörung und "Erneuerung aus dem Chaos" die "Motoren des Fortschritts" seien, und Krieg das Grund-Motiv der anderen Faktoren: der religiösen Hierarchie und der Menschen-Opfer, des "Wettbewerbs" und der Handels-Konkurrenz, sowie der befestigten Städte (oder militarisierten Staaten) und ihrer Hegemonie - diese Grund-Übel der modernen Menschen-Gesellschaften gelten also als "Fortschritt", und der Krieg nach der Teflon-Theorie sowieso als Vater aller technischen Entwicklung...

Wieso Landwirtschaft und Seßhaftigkeit die Menschen überall auf der Welt "quasi zum Krieg zwangen", und wieso das angeblich "egoistische Gen" sich als Soldat plötzlich patriotisch "für das Gemeinwohl" opfern will, wird nicht näher erklärt, sondern offenbar für "natur-gesetzlich" gehalten, wie man schon am "Sport" und seinen kämpferischen Ritualen sehe (in Wirklichkeit ist der "Sport" eine in Friedens-Zeiten hinein verlängerte Militarisierung, damit die Gewöhnung nicht verloren geht). Der Krieg bzw. das Soldatentum habe (wie der Mannschafts-Sport) das "Wir" über das "Ich" gesetzt, auch wenn das zunächst bedeutete, daß zusammen hausende Früh-Landwirte bei einer Mißernte "als einfachste Lösung" gemeinsam die ferneren Nachbarn überfielen und ausraubten: eine nicht sehr romantische Theorie, die direkt zum "Humanismus", zur "Aufklärung" und zum Kapitalismus führt...

Das Resultat ist: "Ob es uns gefällt oder nicht: Krieg ist ein Teil unserer Zivilisation."

Selbst wenn das keine Kriegs-Vorbereitung für das "Friedens-verwöhnte" Europa (also für die drohende Ausweitung des Ukraine-Konflikts) sein soll, gehört solche stupide Propaganda ethisch und moralisch verboten - schade, daß es nicht mehr Schnitzlers anti-kapitalistischen "Schwarzen Kanal" als Kopfschmerz-Mittel dagegen gibt.

Dienstag, 7. März 2023

Kaum zu glauben: Selenski befiehlt, das Ruinen-Feld "Bachmut" bis zum letzten krepierenden Ukro-Märtyrer zu "verteidigen"

Mit der Überschrift ist eigentlich schon alles gesagt - es fragt sich bloß noch, ob Selenski so durchgeknallt wie Chaplin´s "Great Dictator" ist, oder ob er aus Angst vor seinen rechts-radikalen Mit-Regenten und deren angeblichen Mord-Drohungen weiter den Komiker-Präsidenten aus seiner ehemaligen Fernseh-Show spielt...
Angesichts seiner chaplinesken Video-Botschaften fragt man sich jedenfalls, warum letztere jede internationale Konferenz eröffnen dürfen, und warum alle möglichen Polit-Clowns (Biden, Vonderleychen usw.) ihn angeblich "spontan" in Kiew besuchen, um ihn von oben herab väterlich bzw. mütterlich zu umarmen...

Krieg dem Krieg ! (Denkt an Liebermann...)

Chinesen werden langsam "aggressiv"

Beim derzeitigen "14. Nationalen Volks-Kongreß" nennen die chinesischen Partei-Funktionäre die westliche (und vornehmlich US-)Arroganz zunehmends beim Namen: die verdeckte oder auch unverhohlene Bezeichnung Chinas als ökonomischer Haupt-Rivale oder sogar "Haupt-Feind" und die entsprechenden verdeckten oder auch offenen Maßnahmen dagegen seien nicht mehr akzeptabel...

Der "Westen" wundert sich nun, daß seine verbalen, ökonomischen und militärischen Provokationen China aus der diplomatischen Reserve locken, und beschwert sich über Chinas "aggressiven" Ton, nachdem man jahrelang ungestört über die chinesische "Autokratie" und ihre Menschen-Rechts-Verletzungen räsonnieren durfte, ohne daß jemand (geschweige denn die Chinesen) gewagt hätte, Vergleiche zu den neo-feudalen Plutokratien des "Westens" zu ziehen.

Die Chinesen entnehmen wie wir den Medien, daß US- und NATO-Strategen den Stellvertreter-Krieg in der Ukraine gegen Rußland nur als "Übung" für die "finale Auseinandersetzung mit China" betrachten - obwohl die korrupten, ihren Konkurs verschleppenden US-Plutokraten vermutlich dieses Jahrhundert nicht überleben werden, gibt es eigentlich keinen Grund für die chinesischen Staats-Kapitalisten, ihnen widerspruchslos ein sanftes Entschlummern zu gönnen, zumal die US-Pleitiers nach wie vor sinnlos aggressiv um sich schlagen und offenbar die ganze Welt mit in ihren Untergang reißen wollen.

Die Verblödung des "American Way of Life", die seit Jahrzehnten jede vernünftige Lösung der globalen Probleme verhindert, hat nun mal ausgeschissen, und daß bald das konfuzianische "Stamokap"-China die Hegemonial-Rolle übernehmen wird, ist zwar kein großer Fort-, aber auch kein Rückschritt: Konfuzius ist immerhin besser, als die faschistoiden "Neo-Liberalen"-Päpste Hayek & Friedman, und die "Neue Seidenstraße" ist besser, als die Bananen-, Öl- und Drogen-Kriege der USA.

Trotzdem: Scheiß auf die "Globalisierungs-Falle" (H.-P. Martin, H. Schumann, 1996), auch auf die konfuzianische - "Nur Stämme werden überleben" (V. Deloria, 1970, dt. 1976/1996, orig. Titel: "We Talk, You Listen - New Tribes, New Turf").

Montag, 6. März 2023

Russischer Imperialismus: schon die armen Krim-Tataren...

Krim-Tataren
Die sogenannten Krim-Tataren sind entweder ein turk-sprachiger Zweig der mongolischen "Goldenen Horde", die seit dem 13. Jahrhundert die südrussischen Steppen erobert hatte, oder eine islamisierte Mischbevölkerung aus Mongolen und auf der Krim ansässigen Chasaren, Rumänen, Griechen, Venezianer usw., deren Oberschicht beim Zerfall des Mongolen-Reiches im 15. Jahrhundert unter der Protektion der Osmanen ein eigenes Khanat gründete - jedenfalls behielten sie die nomadische Lebensweise der "Goldenen Horde" bei, sowie deren traditonelle Haupt-Wirtschaftsweise, nämlich die Sklaven-Jagd für das osmanische Reich im nördlichen Schwarzmeer-Gebiet, also Süd-Rußland und Polen-Litauen, bis zum Ende des 17. Jahrhunderts... Gegen die verheerenden tatarischen Menschen-Raub-Züge organisierten sich die bekannten "Kosaken" (russische Wehr-Bauern), von denen nur noch der "Don-Kosaken-Chor" übrig ist.

1771 eroberte schließlich das russische Zaren-Reich die Krim und erklärte das Khanat zum russischen Protektorat, brachte durch Umsiedlung der meist griechischen und armenischen Sklavenhändler die tatarische "Wirtschaft" zum Erliegen und annektierte nach anti-russischen Unruhen 1783 die Krim und begann dort Russen anzusiedeln, während zunehmend "Arbeits"-lose tatarische Sklaven-Jäger ins osmanische Reich (Rumänien und Bulgarien) auswanderten, bis sie auf der Krim in der Minderheit waren...

Unter der sowjetischen Getreide-Krise der 1920er- und 30er-Jahre litten die verbliebenen Krim-Tataren genauso, wie die ukrainischen "Klein-Russen", und ebenso wie diese kollaborierten viele Tataren nach dem deutschen Einmarsch 1941 (auch aus traditioneller Russophobie) mit der "SS", was nach der Befreiung 1944 den Grund für die stalinistische Deportation der Tataren in die neue autonome Tartaren-Republik von Kasan an der oberen Wolga lieferte...

Also: Russischer Kolonialismus
Zu diesem Thema interviewte die meist eher moderate "Berliner Zeitung" die vielleicht etwas zu junge kasachische Historikerin B. Kassymbekova mit ein paar Suggestiv-Fragen (Warum viele Deutsche Russlandversteher sind und die Russen im Krieg still halten (berliner-zeitung.de), die daraufhin alle Kennzeichen der Kolonial-Reiche seit dem 16. Jahrhundert aufzählt, als seien sie eine russische Erfindung: Eroberung, Militär-Verwaltung, Ausbeutung, Kultur- und Sprach-Imperialismus usw. - mit andern Worten: das russische Zarenreich hat das gleiche mit seinen Grenz-Regionen gemacht, wie England mit Wales, Schottland und Irland, wie Frankreich mit der Bretagne, Wallonien, dem Elsaß, Aquitanien, Okzitanien und der Provence, und wie Spanien mit Katalonien, Galizien, Andalusien und dem Baskenland - bloß haben die west-europäischen Kolonial-Mächte das gleiche auch in Übersee getan: deshalb sprechen ganz Afrika, Nord- und Süd-Amerika, Süd- und Südost-Asien, Australien und Ozeanien heute Portugiesisch, Spanisch, Französisch, Englisch oder Niederländisch, während die Urbevölkerungen samt ihrer Sprachen zu aussterbenden Prekariaten degradiert sind - in der Sowjet-Union gab es immerhin (neben den baltischen, der weißrussischen, der ukrainischen und den zentral-asiatischen föderativen Republiken) die autonomen Regionen Tatarstan, Baschkortostan, Dagestan, Tschetschenien, Ossetien, Abchasien und Inguschetien, und in Rußland gibt es immer noch die autonomen Regionen der Komi, Mari, Udmurten, Tschuwaschen, Mordwinen, Kalmücken und Tuwa (auch China hat übrigens autonome Regionen für seine Minderheiten, die z.B. von der "1-Kind-Politik" ausgenommen waren - das galt auch für Tibet und Uigurien: soviel zum "Völkermord"). - Rußland jetzt zu unterstellen, es wolle "die ukrainische Kultur und Sprache auslöschen", entbehrt jeder Grundlage, ebenso wie die Behauptung, Rußland wolle sich "imperialistisch" auf das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion oder sogar des "Warschauer Pakts" ausdehnen...

Die übrigen Argumente der spät-geborenen Kasachin gegen den "russischen Imperialismus" lassen sich noch leichter gegen den westlichen (NATO- und EU-)Imperialismus verwenden, sodaß man sich eine Erwiderung sparen kann... Zumindest will sich unbestreitbar die NATO auf das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion ausdehnen... Das Vorbild für die Separation der Krim und der Donbass-Republiken war die vom "Westen" erzwungene und von der UNO anerkannte Separation des Kosovo... Und das Vorbild für die russischen "Wagner"-Söldner sind die tolle staatlich-französische "Fremdenlegion" und die diversen US-Privat-Armeen, die mindestens seit dem Angriffskrieg gegen den Irak (2003) im Einsatz sind...

Es ist eher witzig - wenn die Historikerin sagt: "In Kasachstan und Kirgistan zum Beispiel kontrolliert die russische Botschaft regelmäßig die Schulbücher und schaut, wie Russland und die Sowjetunion dargestellt werden. Wenn den Mitarbeitern etwas nicht passt, schreiben sie dem Bildungsministerium und drohen mit Maßnahmen, wenn die Geschichtsschreibung nicht an ihre Vorstellungen angepasst wird", antwortet die Interviewerin: "Oha!" - Von der anti-russischen Umschreibung der ukrainischen Schulbücher und von der deutschen "Verfassungsschutz-relevanten Delegitimierung des Staates" (siehe meinen Eintrag vom 25.2.2023) haben offenbar beide noch nichts gehört...
Aha!

Freitag, 3. März 2023

49-€-Ticket auf der Abschußliste: Volk, verpiß dich!

Das 3-monatige 9-€-Ticket als "Corona"-Bonbon hat mal einen Vorgeschmack gegeben, was kostenloser öffentlicher Verkehr bewirken könnte... Der nach langem Zögern beschlossene Versuch mit einem 49-€-Ticket ab April 2023 wird schon jetzt wieder torpediert: die Länder wollen die "Unkosten" nicht tragen.

Wofür werden eigentlich Steuern erhoben, wenn nicht für Infrastruktur-Leistungen des Staates? Durch eine (möglichst gerechter, als zur Zeit, progressiernde) Einkommens- und Vermögens-Steuer (abgesehen von der unsozialen "MWSt") sollte das, was volkt und zahlt, eigentlich ohne zusätzliche Zahlungen in den Genuß staatlicher Dienste kommen: öffentlicher Verkehr, Bildung, Kultur, Grund-Versorgung, Gesundheit, Armuts- & Altersfürsorge usw. - und zwar kostenlos, denn wozu braucht man sonst einen Staat oder Steuern?

Bei den Verwesern der "markt"-radikalen "Demokratie" scheint dagegen die Ansicht zu herrschen, daß diese "Dienste" nicht aus Steuergeldern zu bezahlen seien, sondern "sich selbst finanzieren" müssen, d.h. zusätzlich zur Steuerzahlung vom Steuerzahler kostendeckend bezahlt werden müssen (und soweit ganz oder teil-privatisiert auch noch Profit-abwerfend) - da die entsprechenden "Gebühren" Einkommens-unabhängig sind, entsprechen sie der unsozialen "MWSt" - also einer Umverteilung von Arm zu Reich.

Es ist, als würde die Oma den Enkel bitten, für sie einkaufen zu gehen, und ihm einen 100-€-Schein geben - der Enkel sagt: "Gern, aber das Wechselgeld behalte ich!" Oma sagt ja, und nach einer Stunde kommt der Enkel mit einer Plastiktüte wieder und sagt: "So, jetzt mußt Du noch meine Busfahrt bezahlen, die Zahnpasta und das Klopapier kosten extra, die Tomaten auch... Dann noch das Wachspapier für den Käse und die Gebühr für´s Einwickeln, die Plastiktüte - macht zusammen 15,36 € plus Pauschale für die Abrechnung: nochmal 10 €... Danke, hier ist also der Kassenbon: ausgegeben hab ich 37,84 €. - Der Rest? Tja, ich mußte mein Telefon-Guthaben aufladen, brauchte ein neues T-Shirt und hab Lotto gespielt."

Ein Teil der Steuern soll natürlich globalem Ausgleich, "Entwicklungs"- und Krisenhilfe dienen: aber gerade daran hapert es leider allgemein, wie man nicht nur am Jemen sieht... Das meiste wandert offenbar in Parteien- und Funktionärs-Unterstützung und den gewaltigen Bürokratie-Apparat (nicht zuletzt der un-demokratischen EU), sowie in die Lobby-Arbeit (Konzern-Subventionen, Steuer-Befreiungen usw.), sowie in Rüstung und NATO-Geopolitik (Afghanistan, Mali, Kosovo, Ukraine usw.).

Jede nicht erhöhte oder sogar gesenkte "Gebühr" für das, was volkt, wird als "unverdiente Wohltat" oder "populistisches Parteien-Wahlkampf-Geschenk" diffamiert, die Feststellung der aufgehenden Schere zwischen Arm und Reich als "Neid-Debatte" oder "Jammern auf hohem Niveau" verdammt: schließlich müßten "alle" (jedenfalls die ärmere Hälfte der Bevölkerung) "den Gürtel enger schnallen, weil `wir´ über unsere Verhältnisse leben", wie nicht nur Merkel (Monats-Einkommen über 30.000 € brutto) sagte, sondern auch "Porsche"-Lindner... Ganz im Sinn der immer weiter mit Milliarden "geretteten" Bankster und Spekulanten und der Rüstungs-Industrie - die "Initiative Neue Soziale Markt-Wirtschaft" der Unternehmer-Verbände meint genau das: gebt euch mit Niedriglohn-Jobs zufrieden, der Profit wandert sowieso zu den reichsten 1-10 % - das ist das "Natur-Gesetz des Marktes", glaubt uns !

Glaube ist das Opium des Volks - Faxe System: es ist so Menschen-gemacht, wie die "Monopoly"- oder die Fußball-Regeln - Kinderkram ! Abschaffen !